Zum Hauptinhalt springen

Was die Mafia im Fussball will

Das neue Buch eines früheren Antimafia-Staatsanwalts zeigt: Profit und Geldwäscherei sind nicht die einzigen Motive der Mafia, ins Fussballgeschäft einzusteigen.

Die Behauptung, dass die Mafia im italienischen Fussball mitmischt, ist nicht neu. Sie ist aber ernst zu nehmen, wenn sie von Raffaele Cantone stammt. Cantone ist Mitglied des italienischen Kassationsgerichts und Autor. Dass der 47-jährige Jurist ein exzellenter Mafia-Kenner ist, hat mit seiner Vergangenheit zu tun. Cantone, der mitten im Land der Camorra aufwuchs, ist Antimafia-Staatsanwalt in Neapel gewesen. Bekanntheit erlangte er mit seinen Prozessen gegen Mitglieder des berüchtigten Casalesi-Clans.

Von seinem Kampf gegen die Mafia handelt auch sein neuestes Buch («I Gattopardi»). Darin beschreibt er den Einfluss des organisierten Verbrechens auf den Fussball. Er erklärt, wie die Mafia versucht, im Calcio Fuss zu fassen. Bei seinen Ermittlungen gegen das illegale Abfallgeschäft deckte Cantone vor sieben Jahren auf, dass die neapolitanische Mafia versucht hatte, den Serie-A-Klub Lazio Rom über einen Strohmann zu übernehmen. Dahinter stand ein Camorra-Unternehmer aus Neapel, der den Römer Traditionsverein zur Geldwäsche missbrauchen wollte. Der dreiste Übernahmeversuch scheiterte wegen der Ermittlungen von Cantone. Wie der Richter italienischen Journalisten erzählte, gibt es Hinweise, dass sich die Mafia auch für andere grosse Klubs interessiert.

Höheres Ansehen in der Gesellschaft

Laut Cantone ist Geldwäscherei nur ein Motiv der Mafia, ins Fussballgeschäft einzusteigen. Fussballklubs sind für Mafiosi wie Türöffner in eine Welt, zu der sie sonst kaum Zugang hätten. Und in dieser Welt treffen die Mafiosi auf Menschen, die für neue Geschäfte nützlich sein könnten, zum Beispiel Unternehmer oder hohe Politiker. Es ist auch eine Welt, in der Mafiosi Akzeptanz und Ansehen in der Gesellschaft steigern können. Auch die Nähe zu den Helden auf dem Rasen kann einem Mafioso zum Vorteil gereichen. «Wenn es einem Mafia-Boss gelingt, sich mit einem Star-Fussballer fotografieren zu lassen, dann kann dies seine gesellschaftliche Machtposition stärken», sagte Cantone bei der kürzlichen Präsentation seines Buchs in Italien.

Der Einfluss der Mafia auf die Fussballklubs ist nach Erkenntnissen von Cantone vor allem in den Stammlanden der organisierten Kriminalität ausgeprägt, also in Neapel, Kalabrien und Sizilien – und dort in den unterklassigen Ligen. Cantone nennt Beispiele von kalabresischen Vereinen, die der Mafia als Apparat zur Rekrutierung des eigenen Nachwuchses dienen. Und in Sizilien gibt es Klubs, deren Jugendabteilungen von der Mafia kontrolliert werden, um beim Verkauf von Nachwuchsspielern Provisionen zu kassieren. Einer dieser Klubs ist die US Palermo, deren erste Mannschaft in der Serie A spielt.

«Viele Fussball-Präsidenten sind Mafiosi»

Im Buch des ehemaligen Staatsanwalts Cantone zieht ein Priester ein bitteres Fazit: «Viele Fussball-Präsidenten sind Mafiosi», sagt Don Pino De Masi. «Früher oder später enden die jungen Kicker im Dienst der Mafia.» Über den Fussball sichert sich die Mafia nicht nur gesellschaftliche Akzeptanz, sie kann auch soziale Kontrolle ausüben.

Eine Domäne des organisierten Verbrechens ist auch das illegale Wettgeschäft. Dabei konzentriert sich die Mafia auf die unteren Ligen. Die Spiele der niederklassigen Mannschaften lassen sich leichter manipulieren, weil sie nicht so stark im Fokus der Öffentlichkeit stehen wie etwa die Partien der Serie A. Aber auch illegale Wetten auf Spiele der Serie C können für die Mafia lukrativ sein.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch