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Vom Islamhasser zum bekennenden Muslim

Der niederländische Politiker Joram van Klaveren war ein enger Vertrauter von Geert Wilders und plante ein Anti-Islam-Buch. Dann kamen ihm Zweifel.

Enge Vertraute: Später distanzierte sich Joram van Klaveren von Geert Wilders und verliess dessen Freiheitspartei.
Enge Vertraute: Später distanzierte sich Joram van Klaveren von Geert Wilders und verliess dessen Freiheitspartei.
AFP

Im Film würde man es eine überraschende Wendung nennen. So überraschend, dass Kritiker es unglaubwürdig finden würden. Vergangenen Oktober liess sich der niederländische Politiker Joram van Klaveren zum Islam bekehren. Einer der lautesten Islamkritiker Hollands ist damit nun Muslim, wie er diese Woche bekannt gab.

Zuvor war der 40-Jährige einer der engsten Vertrauten des Rechtspopulisten Geert Wilders im Unterhaus gewesen. Bei jeder Gelegenheit identifizierte er den Islam als Wurzel aller politischen Übel, bezeichnete Mohammed als Gauner, den Koran als «Gift» und den Islam als Ideologie von «Terror, Tod und Zerstörung».

An Wilders' Seite initiierte Van Klaveren die sogenannte marokkanische Debatte im Repräsentantenhaus, um auf den hohen Anteil marokkanisch-niederländischer Jugendlicher in der holländischen Kriminalitätsstatistik aufmerksam zu machen.

Vom Anti-Islam-Buch ...

Im Jahr 2014 distanzierte sich Van Klaveren zwar von Wilders und verliess dessen Freiheitspartei (PVV). Seiner islamfeindlichen Politik blieb er aber auch als Parteiloser treu, bis er im Jahr 2017 die Wiederwahl ins Unterhaus nicht schaffte und die Politik ganz verliess. Nun hatte er endlich Zeit, das antiislamische Buch zu schreiben, das er schon so lange plante und mit dem er zeigen wollte, warum der Islam dem christlichen Glauben unterlegen war. Aber es sollte anders kommen.

Sein Glaubensbekenntnis sei das Ende einer langen Suche gewesen, sagte er der niederländischen Zeitung NRC diese Woche. Tatsächlich zieht sich die Suche nach Antwort auf religiöse Fragen als Motiv durch die ganze Laufbahn Van Klaverens.

Aufgewachsen in einem protestantischen Haushalt, studierte er Religions- und Sozialwissenschaften, bevor er sich als Stadtrat in der Stadt Almere aufstellen liess und 2006 gewählt wurde. 2010 wechselte er ins Unterhaus und politisierte an der Seite Wilders für dessen Freiheitspartei, bis er sich 2014 mit ihm überwarf und 2017 ganz aus dem Parlament ausschied und sich seinem Buchprojekt widmete.

... zur Verteidigung des Islam

Punkt für Punkt wollte er den Islam durchgehen und seine Schwachstellen aufzeigen. Doch je tiefer er in die Recherche vorgedrungen sei, desto mehr seien ihm Zweifel an seiner Arbeitshypothese gekommen, sagte er zu NRC. Eine nach der anderen hätten sich seine Überzeugungen, dass das Elend tief im muslimischen Glauben verankert sei, ins Gegenteil verkehrt. In der Folge verwandelte sich sein Buch in eine Punkt-für-Punkt-Verteidigung des Islam.

Die Entdeckung, sich in fast allem geirrt zu haben, woran man die letzten Jahre geglaubt habe, habe ihm keine besondere Freude bereitet, räumte Van Klaveren gegenüber der Presse ein. Aber er zog die Konsequenzen «Ich dachte: Wenn alles, was ich bisher recherchiert habe, richtig ist, wenn ich all das glaube, was ich hier aufgeschrieben habe, bin ich de facto Muslim.» Das Glaubensbekenntnis vergangenen Oktober habe ihm schliesslich eine Ruhe geschenkt, die er zuvor nicht gekannt habe. Sein Buch wird nun unter dem Titel erscheinen: «Apostate: From Christianity to Islam in the Time of Secular Terror» erscheinen.

An seinen politischen Überzeugungen will er aber dennoch teilweise festhalten. Nach wie vor unterstütze er niedrige Steuern, eine schlanke Regierung und eine Einwanderungspolitik, die Menschen bevorzugt, die etwas zur Gesellschaft beitragen.

Nur seine frühere Idee, dass der gesamte Islam aus den Niederlanden verbannt werden müsse, halte er nun natürlich für Unsinn. Seine Frau habe seine Entscheidung übrigens akzeptiert, sagte Van Klaveren weiter. Sie habe nie dieselbe Abneigung gegen den Islam empfunden wie er – und sei auch über sein Engagement für Wilders' PVV-Partei nicht besonders glücklich gewesen. Selber plane aber weder sie noch ihre gemeinsamen Töchter zum Islam überzutreten.

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