Verwirrte Diplomatin

Die österreichische Botschafterin in Bern findet die eidgenössische Neutralität lächerlich und der EU sollen wir gefälligst auch beitreten.

Von der Schweiz genervt. Ursula Plassnik passt der schweizerische Alleingang nicht.

Von der Schweiz genervt. Ursula Plassnik passt der schweizerische Alleingang nicht.

(Bild: Keystone)

Serkan Abrecht

Ursula Plassnik ist erstaunlich frech. Aus heiterem Himmel staucht die österreichische Botschafterin in Bern die Schweiz zusammen. Mühsame Isolationisten sind wir Schweizer. Kurzsichtig und konservativ. Völlig unverblümt wettert sie im Interview mit der Medienbeauftragen von Avenir Suisse über die eidgenössische Politik.

Zur Erinnerung: Der Thinktank Avenir Suisse fordert seit 2001 den EU-Beitritt der Schweiz – er steht damit ziemlich allein auf weiter Flur. Doch in der ehemaligen österreichischen Aussenministerin und jetzigen Botschafterin findet Avenir Suisse eine Gesinnungsgenossin. Ihr gehen der schweizerische «Alleingang» und die notorische «Nein-Sagerei» auf den Senkel. Den schweizerischen Isolationismus findet sie abstossend.

Als Schweizer hatte man bisher gedacht, dass wir ein sehr gutes, enges und freundschaftliches Verhältnis mit unserem Nachbarland pflegen. Auf die Frage, ob es denn irgendwo Ausbaupotenzial zwischen der Schweiz und Österreich gäbe, meint Plassnik aber: «Eigentlich überall.»

Lächerliche Neutralität

Die eidgenössische Neutralität findet sie scheinbar lächerlich, sie will eine gemeinsame Sportuniversität – wieso auch immer? – und der EU sollen wir gefälligst auch beitreten, alles andere sei rückwärtsgewandt. Dass momentan die österreichische Regierung, zusammengesetzt aus der konservativen ÖVP und der ziemlich rechten FPÖ, auch nicht gerade auf Gut-Freund mit der EU macht, scheint sie offenbar nicht wahrzunehmen.

Dafür packt sie dann im Interview im Schweizer Monat erst richtig den Zweihänder aus: Die Schweiz solle aufhören, mit Vollgas noch tiefer in die Sackgasse zu brausen. Doch die Neutralität und die Selbstbestimmung werden von der «nationalkonservativen Medienlandschaft» nur noch mehr befeuert.

Wettern gegen Nationalkonservative

Als Beispiele nennt sie die Weltwoche und selbstverständlich auch die Basler Zeitung. Was jedoch mehr irritiert: Warum wettert Plassnik gegen Nationalkonservative? Sie ist ÖVP-Mitglied, gemäss Parteibuch also selbst eine Konservative. Da findet eine Nationalkonservative also die Nationalkonservativen der Schweiz doof, weil das «nationale Schneckenhaus» kein zukunftsfester Aufenthaltsort mehr sei.

Man reibt sich verwundert die Augen. Ob den ziemlich undiplomatischen Aussagen einer Botschafterin, die notabene kurzzeitig auch Schweizerin war, weil sie einen Schweizer geheiratet hatte. Nebst der Weltwoche kritisiert sogar der linksliberale Tages-Anzeiger Plassniks Äusserungen als ziemlich «starken Tobak». Selbst kann man der Frau Botschafterin wohl eine starke politische Verwirrtheit attestieren.

Basler Zeitung

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