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Vatikan greift gegen Bischöfe wegen Kindsmissbrauchs durch

Vor kurzem kündigte der Papst an, gegen Bischöfe vorzugehen, die sexuellen Missbrauch von Kindern nicht konsequent verfolgen. Jetzt zieht der Vatikan Konsequenzen.

Reichte beim Vatikan sein Rücktrittsgesuch ein: Der Erzbischof von St. Paul im US-Staat Minnesota, John Nienstedt.
Reichte beim Vatikan sein Rücktrittsgesuch ein: Der Erzbischof von St. Paul im US-Staat Minnesota, John Nienstedt.
Craig Lassig, Keystone

Der Vatikan macht Ernst mit der Verfolgung sexueller Übergriffe von Geistlichen auf Minderjährige. Das Strafgericht des Kirchenstaates liess am Montag die Anklage gegen den ehemaligen Nuntius in der Dominikanischen Republik wegen Kindsmissbrauchs und Kinderpornografie zu. Ausserdem nahm Papst Franziskus die Rücktrittsgesuche zweier Bischöfe eines Bistums in den USA an, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, nicht auf wiederholte Berichte über einen pädophilen Priester reagiert zu haben.

Ex-Nuntius Jozef Wesolowksi ist der erste hochrangige Vatikanvertreter, dem in Rom wegen Missbrauchsvorwürfen der Prozess gemacht wird. Der Erzbischof von Santo Domingo hatte Papst Franziskus 2013 über Berichte informiert, wonach Wesolowski in dem Karibikstaat männliche Jugendliche sexuell missbraucht haben soll. Laut der dortigen Staatsanwaltschaft soll der Kirchenmann seine Opfer dafür bezahlt haben, vor ihm zu masturbieren.

Wesolowski droht Haftstrafe

Franziskus berief Wesolowski im August 2013 nach Rom zurück. Der Erzbischof soll auch danach noch Kinderpornografie besessen haben. Im Juni 2014 wurde er in den Laienstand zurückversetzt und im September unter Hausarrest gestellt. Nach Kirchenrecht ist er bereits verurteilt. Sollte ihn auch das Strafgericht des Vatikans für schuldig befinden, droht ihm eine Haftstrafe.

In den USA machten der Erzbischof von St. Paul im US-Staat Minnesota, John Nienstedt, und dessen Weihbischof Lee Anthony Piché von der Kirchenrechtsbestimmung Gebrauch, den Papst wegen Krankheit oder eines anderen ernsten Grunds um ihre Entlassung zu bitten. Papst Franziskus habe dem Gesuch zugestimmt und den Erzbischof von Newark, Bernard Hebda, zum Bischofsverwalter ernannt, teilte der Vatikan mit.

Zuvor hatte eine Kirchenrechtlerin die Behörden darüber informiert, dass Vertuschung sexueller Übergriffe in der Erzdiözese weit verbreitet sei. Die Bistumsführung habe entsprechende Berichte nach einem chaotischen System aufgenommen, sei nur einem von ihnen nachgegangen und habe die Öffentlichkeit belogen.

Fünf Jahre Haft für Priester

Vor wenigen Tagen klagte die US-Staatsanwaltschaft das Erzbistum an, weil es nicht auf wiederholte Berichte über einen Priester reagiert habe, der später wegen sexueller Belästigung zweier Jungen verurteilt worden war. In der Anklage wurden keine Namen genannt. Der Priester ist mittlerweile zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Der 68-jährige Nienstedt erklärte, er verlasse seinen Posten mit reinem Gewissen. Doch habe seine Amtsführung von den guten Werken der Kirche abgelenkt. Piché sagte, er trete zurück, damit Wunden heilen könnten.

Franziskus hatte erst vergangene Woche ein Tribunal eingerichtet, das gegen Bischöfe vorgehen soll, die Kinder nicht ausreichend vor sexuellem Missbrauch geschützt haben. Damit reagierte der Papst auf jahrelange Vorwürfe, dass Bischöfe straflos geblieben seien, da sie Priester nach Missbrauchsvorwürfen nicht der Polizei gemeldet, sondern die Geistlichen einfach in eine andere Gemeinde versetzt hätten.

Im April hatte der Papst den Bischof der US-Diözese Kansas-St. Joseph, Robert Finn, nach Vorwürfen wegen Nachlässigkeit bei der Verfolgung von Kinderpornografie entlassen. Zuvor war Bischof Finn von einem Richter für schuldig befunden worden, die Tat gedeckt zu haben. Anschliessend bat er in Rom um Entlassung.

SDA/mlr

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