Zum Hauptinhalt springen

Ukrainischer Präsident droht mit Rache

Er werde die Verantwortlichen für die Tragödie mit 49 Toten in der Ukraine bestrafen, kündigt Petro Poroschenko an.

Kündigt Strafen für die Verantwortlichen des jüngsten Vorfalles an: der ukrainische Präsident Petro Poroschenko. (4. April 2014)
Kündigt Strafen für die Verantwortlichen des jüngsten Vorfalles an: der ukrainische Präsident Petro Poroschenko. (4. April 2014)
Reuters

Nach dem Abschuss eines mit Soldaten besetzten Militärflugzeugs hat der ukrainische Präsident Petro Poroschenko Vergeltung angekündigt. Er werde diejenigen bestrafen, die für die Tragödie in Lugansk verantwortlich seien, sagte er. Am Samstag hatten prorussische Separatisten das Flugzeug im Osten der Ukraine abgeschossen. Alle 49 Menschen an Bord, 40 Soldaten und neun Mannschaftsmitglieder, kamen bei dem Angriff ums Leben. Bis Montag müssen die Ukraine und Russland im Gasstreit eine Lösung finden: Russland drohte, ansonsten Vorauszahlungen für weitere Lieferungen zu verlangen.

Hoffnungen auf eine Entspannung in dem seit vier Monaten andauernden Konflikt wurden durch den Abschuss einmal mehr zerschlagen. Für die ukrainischen Streitkräfte war es in dem Konflikt der Zwischenfall mit den meisten Toten. Poroschenko, der in seiner Antrittsrede vergangene Woche noch einen Friedensplan versprochen hatte, berief seinen nationalen Sicherheitsrat ein und erklärte den Sonntag zum Trauertag. Er forderte eine detaillierte Analyse des Vorfalls und deutete personelle Wechsel an. In einem Gespräch mit dem französischen Präsidenten François Hollande drückte er die Hoffnung aus, die Europäische Union werde weitere Sanktionen gegen Russland erheben.

Appell aus der USA

Bei weiteren Kämpfen wurden in der Hafenstadt Mariupol am Samstag fünf Grenzsoldaten getötet, als ihre Wagenkolonne in einen Hinterhalt geriet. US-Aussenminister John Kerry rief Russland auf, die Rebellen nicht weiter zu unterstützen. In einem Telefongespräch machte Kerry Druck auf seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow, Russland müsse die Lieferungen von Waffen für die Separatisten über seine Grenze beenden. Die USA werfen Russland vor, die Rebellen in der Ostukraine mit Panzern und Raketenwerfern auszustatten;die Führung in Moskau weist dies zurück.

Experte Timothy Ash von der Standard Bank PLC sagte, der Vorfall zeige, dass Russland offenbar nicht genügend tue, um die Aufständischen zu mässigen. «Ich erwarte, dass in der kommenden Woche Sanktionen in den Fokus zurückkehren werden.»

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Hollande drückten in einem Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Samstag ihre Sorge über die anhaltenden Kämpfe aus und forderten eine rasche Waffenruhe sowie eine Lösung im Gasstreit zwischen beiden Ländern.

Drohung gegen Russland

Die Ukraine drohte Russland ausserdem mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Falls Moskau weiterhin zur Verschärfung der Lage im Osten der beitrage, müsse die Ukraine zu diesem «äussersten Mittel» greifen, sagte Aussenminister Andrej Deschtschizja.

Deschtschizja warf dem Nachbarn vor, Nachschub für militante Gruppen über die gemeinsame Grenze nicht zu verhindern. Moskau bestreitet vehement, Einfluss auf die Separatisten zu haben.

Auch die Aufständischen wiesen Vorwürfe zurück, dass sie aus Russland drei T-64-Panzer erhalten hätten. Seines Wissens stamme das Kriegsgerät aus ukrainischen Depots, sagte Separatistenführer Andrej Purgin.

Welche Rolle spielt Russland?

Die Nato veröffentlichte Aufnahmen, um jüngste Bewegungen russischer Panzer nahe der Grenze zu zeigen, die «erhebliche Fragen» über die Rolle Russlands aufwerfen würden. Die in der Ukraine gesichteten Panzer trügen keine Kennzeichen oder Tarnfarben wie jene, die vom ukrainischen Militär benutzt würden. Sie hätten überhaupt keine Kennzeichen. Das erinnere an die Taktik, die von «russischen Elementen» benutzt worden sei, die bei der Destabilisierung der Krim beteiligt gewesen seien.

Russland reagierte darauf nicht, sondern warf seinerseits dem ukrainischen Militär vor, die Grenze zu verletzen. Sollte sich das fortsetzen, würde Russland «alle nötigen Massnahmen ergreifen, um das zu unterbinden», teilte das Aussenministerium mit.

Die Ukraine und Russland setzten ihre Verhandlungen über Gaslieferungen fort. Vertreter der Konzerne Naftogas und Gazprom trafen sich am Samstag in Kiew. Auch EU-Energiekommissar Günther Oettinger und der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk waren dabei.

AP/thu

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch