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Türkei schickt zehn weitere Panzer nach Syrien

Zehn weitere türkische Panzer sind zur Verstärkung für die Operation «Schutzschild Euphrat» auf syrisches Gebiet vorgedrungen. Es ist die bislang grösste türkische Offensive gegen die IS-Miliz.

Operation «Schutzschild Euphrat»: Die Türkei hat die Terrormiliz IS aus den Grenzgebieten in Syrien vertrieben. (2. September 2016)
Operation «Schutzschild Euphrat»: Die Türkei hat die Terrormiliz IS aus den Grenzgebieten in Syrien vertrieben. (2. September 2016)
Ismail Coskun/IHA via AP, Keystone
Ein türkischer Panzer bringt sich im Grenzgebiet zu Syrien in Stellung. (26. August 2016)
Ein türkischer Panzer bringt sich im Grenzgebiet zu Syrien in Stellung. (26. August 2016)
Ismail Coskun, Keystone
Luftschläge gegen feindliche Stellungen in Nordsyrien.
Luftschläge gegen feindliche Stellungen in Nordsyrien.
Sedat Suna, Keystone
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Einen Tag nach dem Beginn der Grossoffensive der Türkei in Syrien gegen die Djihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) sind zehn weitere türkische Panzer auf syrisches Territorium vorgedrungen. Auch mehrere Krankenwagen und schwere Geschütze wurden am Donnerstagmorgen über die Grenze gebracht, wie ein AFP-Fotograf berichtete.

Mit Unterstützung von US-Kampfflugzeugen hatte die Türkei am Mittwoch ihre bislang grösste Offensive gegen die IS-Miliz auf syrischem Territorium gestartet. Die türkischen Streitkräfte setzten bei der Operation «Schutzschild Euphrat» in der Umgebung des Grenzortes Dscharablus Kampfjets, Panzer und Artillerie ein. Die an der Seite der Türkei kämpfenden syrischen Rebellen nahmen die Stadt am Westufer des Euphrats ein.

1500 Kämpfer beteiligt

An dem Militäreinsatz waren laut der amtlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu rund 1500 Kämpfer der Freien Syrischen Armee beteiligt. Sie eroberten demnach auch das Dorf Keklidscha, fünf Kilometer von Dscharablus entfernt und drei Kilometer hinter der Grenze gelegen.

Der Einsatz richtet sich nach Angaben der türkischen Regierung sowohl gegen den IS als auch gegen die syrisch-kurdische Partei der Demokratischen Union (PYD). Ankara will die Ausweitung der kurdischen Einflussgebiete in Syrien und somit die Entstehung eines eigenständigen, kurdischen Autonomiegebietes verhindern.

Washington unterstützt den Einsatz

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte am Mittwoch in Ankara, der IS sei zum Verlassen von Dscharablus gezwungen worden. US-Vize-Präsident Joe Biden erklärte, Washington unterstütze den von der Türkei geführten Einsatz und habe Luftsicherung zur Verfügung gestellt.

Staatsmedien meldeten, türkische Panzer seien über die Grenze nach Syrien gefahren. Innenminister Efkan Ala sagte, die Operation erfolge in Koordination mit den US-geführten Koalitionstruppen.

Vor Erdogan hatten bereits mehrere ebenfalls an dem Militäreinsatz beteiligte Rebellengruppen mitgeteilt, die umkämpfte Stadt unter Kontrolle gebracht zu haben. Erdogan bezeichnete die Militäroffensive als Schutzmassnahme gegen die Bedrohung seines Landes durch «Terrorgruppen». Er nannte dabei nicht nur den IS, gegen den sich der Angriff auf Dscharablus richtete, sondern indirekt auch die syrisch-kurdische Organisation YPG, die von den USA unterstützt wird.

Biden ging auf die Bedenken der Türkei ein und drohte syrisch-kurdischen Truppen den Entzug der Unterstützung an, sollten sie sich nicht auf ein Gebiet östlich des Euphrats zurückziehen. Ankara ist besorgt über die zunehmende Schlagkraft der syrischen Kurdenmiliz, der sie Nähe zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vorwirft.

Antwort auf Anschlag

Erdogan erklärte, die Offensive gegen den IS sei die Antwort auf den Anschlag auf eine kurdische Hochzeitsgesellschaft mit 54 Toten in der türkischen Grenzstadt Gaziantep vom Wochenende. Er fügte hinzu, niemand sollte «die syrische Frage als unabhängig von türkischen innenpolitischen Problemen betrachten». Er betonte erneut, dass es für den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad keine politische Zukunft geben könne. Das Land könne unter dessen Herrschaft niemals Demokratie erreichen.

Russland drückte Bedenken über die türkische Bodenoffensive aus. Dadurch könnte es mehr zivile Opfer geben und der Konflikt zwischen Kurden und Arabern verstärkt werden, teilte das Aussenministerium in Moskau mit. Der Konflikt in Syrien könne nur mit einem Dialog gelöst werden. An diesem müssten alle ethnischen Gruppen beteiligt werden, auch die Kurden.

Ankara liess IS lange gewähren

Lange Zeit hatte Ankara den IS im eigenen Land und im syrischen Grenzgebiet gewähren zu lassen, um den syrischen Machthaber Baschar al-Assad zu schwächen. Damit soll es nun vorbei sein: Das vom IS gehaltene syrische Grenzgebiet wurde zu einer «Sondersicherheitszone» erklärt.

Dscharablus liegt am Westufer des Euphrats und ist nur 30 Kilometer von der Stadt Manbidsch entfernt, aus der die kurdisch geführte SDF mit US-Unterstützung kürzlich den IS vertrieb. Sie ist eine der letzten wichtigen vom IS gehaltenen Städte zwischen kurdisch kontrollierten Gebieten im Norden Syriens. Die Einnahme von Dscharablus und der ebenfalls vom IS gehaltenen Stadt Al-Bab weiter im Süden wäre ein bedeutender Schritt zur Verbindung der Grenzgebiete unter kurdischer Kontrolle auf beiden Seiten des Flusses.

AFP/kat

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