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«The Sun» ruft zum Brexit auf

Die britische Tageszeitung bezieht Stellung. Sie diffamiert die Europäische Union als gierig, verschwenderisch und schikanierend.

«Bitte geht nicht»: Die britische Entscheidung über den Verbleib in der EU nahm «Der Spiegel» am 11. Juni zum Anlass für eine Schwerpunktausgabe.
«Bitte geht nicht»: Die britische Entscheidung über den Verbleib in der EU nahm «Der Spiegel» am 11. Juni zum Anlass für eine Schwerpunktausgabe.
Wolfram Steinberger, Keystone
Brexit und Fussball-EM auf einen Schlag: In Anspielung auf ein mögliches frühes Ausscheiden der Nationalmannschaft – sei es sportlich oder wegen der Fanausschreitungen – veröffentlichte die britische Satire-Zeitschrift «Private Eye» dieses Bild: England backs Brexit (England unterstützt den Brexit). In einer Sprechblase steht:« We'll be out of Europe in no time» (Wir werden in kürzester Zeit Europa verlassen haben).
Brexit und Fussball-EM auf einen Schlag: In Anspielung auf ein mögliches frühes Ausscheiden der Nationalmannschaft – sei es sportlich oder wegen der Fanausschreitungen – veröffentlichte die britische Satire-Zeitschrift «Private Eye» dieses Bild: England backs Brexit (England unterstützt den Brexit). In einer Sprechblase steht:« We'll be out of Europe in no time» (Wir werden in kürzester Zeit Europa verlassen haben).
Matt Dunham, Keystone
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Die meistgelesene britische Tageszeitung «The Sun» hat ihre Leser anderthalb Wochen vor dem EU-Referendum zum Brexit aufgerufen. «Wir werden die wichtigste politische Entscheidung unseres Lebens treffen. ‹The Sun› drängt heute jeden, ‹LEAVE› (verlassen) zu wählen», heisst es in dem heute erschienenen Leitartikel auf der Titelseite. Der EU-Austritt werde Grossbritannien Souveränität zurückbringen und die Möglichkeit geben, die Einwanderung zu kontrollieren.

Die EU wurde in dem Artikel als «gierig, verschwenderisch und schikanierend» diffamiert. «Wir müssen uns selbst vom diktatorischen Brüssel befreien.» Den Verfechtern des EU-Verbleibs warf die Zeitung vor, die Briten mit Horrorszenarien «über ein Leben ausserhalb der EU zu schockieren». Zentrales Argument der Pro-EU-Lagers ist es, dass ein Austritt die Wirtschaft Grossbritanniens schwer treffen würde.

Gewinnt die «Sun» Wahlen?

Die «Sun» – Teil des Medienimperiums von Rupert Murdoch – hat sich den Ruf erworben, sich meistens auf die Seite der Gewinner zu schlagen. Tatsächlich hat seit 1979 nur einmal eine von der Zeitung unterstützte Partei keine Mehrheit geholt: Bei der Wahl 2010 rief sie ihre Leser auf, die Konservativen zu wählen. Die Partei David Camerons holte zwar die meisten Stimmen, verpasste aber eine absolute Mehrheit im britischen Unterhaus.

Die Tatsache, dass die «Sun» fast immer richtig lag, führte zu Diskussionen um den Einfluss der grössten Tageszeitung auf ihre Leser. Besonders die Wahlen von 1992 befeuerten den Mythos der «Königsmacherin»: Lag die Labour-Partei kurz vor den Wahlen in Umfragen noch knapp vorne, gewannen nach der «Sun»-Kampagne gegen Labour-Kandidat Neil Kinnock die Konservativen.

Die «Sun» schiesst gegen Labour-Politiker Kinnock. (Bild: British Library, 9. April 1992)
Die «Sun» schiesst gegen Labour-Politiker Kinnock. (Bild: British Library, 9. April 1992)

Kann die «Sun» also Wahlen und Abstimmungen entscheiden? Nein, sagen verschiedene Politikwissenschaftler in einem Faktencheck des Senders Channel 4. Zwar wurde die Wahl von 1992 nicht untersucht, spätere Studien zeigen aber, dass die Tageszeitung keinen entscheidenden Einfluss auf das Wählerverhalten hatte. Es sei also eher so, schreibt Channel 4, dass «Zeitungen den Meinungen ihrer Leser folgen, statt sie zu bestimmen».

Das Referendum über die EU-Mitgliedschaft der Insel findet am 23. Juni statt. In Umfragen liegen die Brexit-Verfechter erstmals leicht vor den EU-Befürwortern. Sollte es tatsächlich zu einem Austritt aus der EU kommen, hatte die «Sun» wohl einmal mehr den richtigen Riecher.

AFP/nag

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