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Stuttgart 21: Ein alter Konflikt flammt wieder auf

Hunderte Demonstranten protestierten am Montag gegen das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21. Dabei kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen. Neun Polizisten wurden verletzt.

«Brutale Schläge»: Demonstranten durchbrechen eine Abschrankung. (20. Juni 2011)
«Brutale Schläge»: Demonstranten durchbrechen eine Abschrankung. (20. Juni 2011)
Keystone

Am Rande einer Protestaktion gegen das umstrittene Bahnprojekt «Stuttgart 21» sind am Montagabend neun Polizisten verletzt worden. Einsatzkräfte nahmen mehrere Aktivisten fest. Bis zum späten Abend hielten Hunderte Demonstranten das Baustellengelände am Grundwassermanagement hinter dem Hauptbahnhof besetzt, das sie zuvor gestürmt hatten.

Die Aktion war eine Reaktion auf die Fortsetzung der Bauarbeiten. Am Mittag war begonnen worden, Stützen zu installieren, auf denen ein 17 Kilometer langes Rohrsystem von der Baugrube zu den sogenannten Versickerungsbrunnen montiert werden soll.

Kritik an der Bahn

Bei der traditionellen Montagsdemonstration protestierten zunächst rund 3000 Menschen friedlich gegen «Stuttgart 21». Auf der Kundgebung kritisierten die Projektgegner insbesondere, dass für die geplante grössere Entnahme von Grundwasser noch keine Genehmigung vorliege.

Im Anschluss zogen laut Polizei rund 1500 Demonstranten weiter zum Gelände des Grundwassermanagements. Aktivisten hätten den Bauzaun niedergerissen und das Gelände gestürmt. Bei allen Baufahrzeugen sei Luft aus den Reifen gelassen worden, ferner seien sie mit Anti-«Stuttgart 21»-Stickern beklebt worden.

«Brutale Schläge»

Durch die Explosion eines Sprengkörpers hätten acht Beamte ein Knalltrauma erlitten. Alle seien in ein Krankenhaus gebracht worden. Darüber hinaus sei ein Zivilpolizist bei der Kontrolle eines Demonstranten von mehreren Menschen brutal zusammengeschlagen worden. Er werde mit schwerer Kopf- und Gesichtsverletzungen ebenfalls in einem Krankenhaus behandelt. Angaben zu verletzten Demonstranten konnte die Polizei nicht machen. Auch die Schadenshöhe war zunächst unklar.

Am späten Abend befanden sich immer noch Hunderte Demonstranten auf dem Gelände, einige kletterten auch auf das Gebäude des Grundwassermanagements. In Sprechchören forderten die Gegner eines unterirdischen Bahnhofs den Rücktritt von Bahnchef Rüdiger Grube.

Die Polizei war mit einem Grossaufgebot im Einsatz, schritt aber zunächst nicht ein. Es herrsche eine «aggressive bis feindselige Grundstimmung» gegenüber den Beamten, beklagte die Polizei.

«Kriminelle Aktion»

«Stuttgart 21»-Sprecher Wolfgang Dietrich kritisierte die Aktion als «nur noch kriminell». Eine solche Besetzung lasse sich nicht mehr mit dem Demonstrationsrecht rechtfertigen, sagte er der Nachrichtenagentur dapd.

Die Verantwortung für die erneute Eskalation sieht der Projektsprecher bei der grün-roten Landesregierung. «Es ist die Aufgabe der Regierung, einen Beitrag zur Deeskalation zu leisten», betonte Dietrich. So müsse deutlich gemacht werden, dass die Deutsche Bahn das Recht zum Bauen habe.

«Parkschützer» zufrieden

Die Initiative «Parkschützer» dagegen wertete die Besetzung der Baustelle als wichtiges Signal. «Es ist ein Zeichen, dass der Widerstand lebt», sagte «Parkschützer»-Sprecher Matthias von Herrmann in Stuttgart auf dapd-Anfrage.

Zugleich forderten die Parkschützer die Bahn auf, alle Arbeiten für das Grundwassermanagement «unverzüglich einzustellen». Die Bahn habe im Planfeststellungsverfahren dazu falsche Angaben gemacht und verfüge daher über kein Baurecht.

dapd/mrs

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