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Steuersünder am Internetpranger

Die britische Steuerbehörde geht neue Wege im Kampf gegen Steuerhinterzieher und -betrüger. Die erstmalige Veröffentlichung von Fotos und Namen von Steuersündern wirft Fragen auf.

Gesucht wegen Steuerdelikten: 5 von 20 Personen, die auf der «Most Wanted»-Liste der britischen Steuerbehörde figurieren.
Gesucht wegen Steuerdelikten: 5 von 20 Personen, die auf der «Most Wanted»-Liste der britischen Steuerbehörde figurieren.

Mit einer «Most Wanted»-Liste im Stile des FBI stellt die britische Steuerbehörde HMRC im Internet Personen an den Pranger. Insgesamt sind es 20 Leute, die dem Fiskus viel, sehr viel Geld schulden sollen. Einer der gesuchten Steuersünder ist zum Beispiel der britisch-pakistanische Doppelbürger Hussain Asad Chohan. Der 44-Jährige, der wegen verschiedener Schmuggel- und Betrugsdelikte verurteilt wurde, soll sich nach seiner Flucht derzeit in Dubai aufhalten. Der Schaden zulasten des Fiskus beträgt rund 200 Millionen Pfund, also über 300 Millionen Franken.

Auf der «Most Wanted»-Liste figuriert auch ein Schweizer. Der 52-jährige Cesare Selvini wird wegen Schmuggels von Platin per Haftbefehl gesucht, nachdem er vor sieben Jahren nicht vor dem Gericht in Dover erschienen war. Angeblich hält sich der Gesuchte in der Schweiz auf. Die Kosten im Fall Selvini zulasten der britischen Steuerzahler belaufen sich gemäss der HMRC auf rund 600'000 Pfund (920'000 Franken).

«Diese Kriminellen haben den Steuerzahler 765 Millionen Pfund gekostet»

Die Liste der 20 meistgesuchten Steuersünder hat die britische Steuerbehörde diese Woche auf der Fotocommunity-Plattform Flickr unter dem Titel «HMRC's Most Wanted» veröffentlicht.

Laut David Gauke, einem hohen Beamten der britischen Regierung, haben «diese Kriminellen den Steuerzahler insgesamt 765 Millionen Pfund gekostet», wie die Zeitung «Telegraph» berichtet. Das sind umgerechnet knapp 1,2 Milliarden Franken. Die HMRC-Behörde werde diese Leute ohne Unterlass verfolgen, wird Gauke weiter zitiert. Durch die Veröffentlichung der Fotos hoffe man, die Gesuchten festnehmen zu können. Gauke zufolge ist die britische Regierung «entschlossen, Steuerhinterziehung und Steuerbetrug zu bekämpfen».

Superreiche und Prominente fehlen auf der Liste

Der Internetpranger für Steuersünder, den es in Grossbritannien bisher noch nicht gab, stösst inzwischen auf Kritik von verschiedenen Seiten. Nicht nur, weil möglicherweise die Persönlichkeitsrechte der am Pranger stehenden Personen verletzt werden. Die «Most Wanted»-Liste sei unvollständig, bemerkt die Zeitung «Morning Star». So fehlten Politiker, Unternehmer oder auch Prominente, die Steuern im grossen Stil hinterziehen würden. Das sind alles Personengruppen, die, wie die Erfahrung zeigt, die Möglichkeit haben, Steuervermeidungspraktiken in der juristischen Grauzone anzuwenden.

Kat Templeton, Sprecherin der Nichtregierungsorganisation UK Uncut, wird konkreter. Auf der Liste fehle zum Beispiel Philip Green, Tycoon des Modeunternehmens Topshop. Die Steuern, die Superreiche in Grossbritannien nicht bezahlen, belaufen sich auf mindestens 25 Milliarden Pfund pro Jahr, also 38,2 Milliarden Franken, wie Templeton sagt. «Die Regierung tut aber nichts, um die Steuerhinterziehung zu stoppen.»

Tatsächlich wirft die «Most Wanted»-Liste die Frage auf, ob die Steuerbehörde wirklich die schlimmsten Steuersünder sucht. Vielmehr ist es eine Liste, die Betrüger, Schmuggler und Geldwäscher aufführt, die dem Fiskus viel bis sehr viel Geld schulden.

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