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Steinbrück bringt sich als Kanzlerkandidat ins Spiel

Der frühere deutsche Finanzminister und Schweiz-Schreck zerpflückt die Griechenland-Politik von Kanzlerin Merkel. Dass der 64-jährige SPD-Politiker in den Debatten wieder mitmischt, ist kein Zufall.

Zuoberst auf der Beliebtheitsskala der deutschen Politiker: Peer Steinbrück.
Zuoberst auf der Beliebtheitsskala der deutschen Politiker: Peer Steinbrück.
Keystone

Peer Steinbrück, einstiger Finanzminister der Grossen Koalition (2005–2009) und versierter Krisenmanager während der Finanzkrise, ist heute einfaches Mitglied des Deutschen Bundestags. Sein Wort hat aber Gewicht, und seine Stimme wird gehört. Und dies immer mehr, weil er sich seit ein paar Monaten immer wieder in die politischen Debatten einmischt. Nach einer Tournee zu seinem Buch «Unterm Strich» und vielen Vorträgen gilt sein Hauptaugenmerk wieder der Spitzenpolitik.

Die Eurokrise und das Schuldenschlamassel in Griechenland – zu diesen Themen äussert sich der Ex-Finanzminister oft und mit klaren Worten. «Ohne Schuldenerlass wird sich Griechenland aus seinen Kalamitäten nicht befreien können. Ich glaube, dass wir nicht mehr über das Ob, sondern nur noch über das Wie eines richtigen Schuldenschnitts für Griechenland reden müssen», sagte Steinbrück am Sonntagabend in einer ARD-Sendung. Dieser schmerzhafte Schritt werde aber nicht ohne Folgen bleiben. Man müsse «Kollateral-Effekte» im Blick haben. So dürfte für manche dann betroffene Bank eine Rekapitalisierung nötig werden. Der Regierung wirft Steinbrück ein gutes halbes Dutzend «nachweisbarer Kehrtwendungen oder Pirouetten» in der Europolitik vor. Den Finanzmärkten fehlten daher klare Signale.

Aussichtsreichster Herausforderer für Kanzlerin Merkel

Mit seiner direkten Art und seinen Ansichten, die nicht immer zur SPD passen, etwa bei der Agenda 2010, eckt Steinbrück zwar bei vielen Genossen an – in der Bevölkerung kommt er aber offenbar ganz gut an. Gemäss dem Politbarometer des ZDF gehört er seit Wochen zu den beliebtesten Politikern Deutschlands. Zurzeit ist Steinbrück die Nummer eins des Politbarometers. Das ist vielversprechend für den Politiker, der seit Monaten an einer Kanzlerkandidatur bastelt, wie die «Süddeutsche Zeitung» schreibt. Die meisten Deutschen halten Steinbrück derzeit für den aussichtsreichsten Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel, wie eine Forsa-Umfrage Ende Mai ergab.

Gemäss dem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» profitiert der studierte Volkswirtschaftler von der verbreiteten Sehnsucht nach einem bestimmten Politikertypus: «Einer, der eher einen Anti-Parteien-Mensch verkörpert, der vertrauenswürdig, pragmatisch und mutig ist, der ‹Klartext› redet.» Solche Politikertypen waren in der SPD insbesondere Helmut Schmidt und Gerhard Schröder. Beide wurden Kanzler, obwohl sie innerhalb der SPD nicht zu den beliebtesten Parteimitgliedern gehörten.

Grundsätzlich zu Kanzlerkandidatur bereit

Lange wies Steinbrück Spekulationen um eine mögliche Kanzlerkandidatur zurück. Inzwischen zeigt er sich grundsätzlich bereit, für die SPD als Kanzlerkandidat anzutreten. «Der Zeitpunkt wird kommen, wo ich mich in Absprache mit zwei oder drei Führungspersönlichkeiten der SPD darüber zusammensetze», sagte der 64-jährige Politiker vor ein paar Tagen in der Sendung «hr1-Talk» im Hessischen Rundfunk. «Als ernsthaft darf man Steinbrücks Comebackversuch wohl seit dem 24. März 2011 betrachten», schreibt die «Süddeutsche Zeitung». «Damals trat er ans Rednerpult des Bundestages und rechnete mit Merkels Währungs- und Europapolitik ab.»

Steinbrück war schon mehrfach von SPD-Spitzenleuten als einer von mehreren möglichen Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2013 ins Gespräch gebracht worden. Die Entscheidung darüber soll nach den Vorstellungen der SPD-Führung in einem Jahr fallen. Weitere mögliche Kandidaten sind: Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, Ex-Vizekanzler und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sowie SPD-Chef Sigmar Gabriel.

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