Zum Hauptinhalt springen

«Stärkstes Mittel der Bestrafung – Tod durch Erschiessen»

Russland veröffentlicht erstmals Akten zum Katyn-Massaker. Zu den Dokumenten gehört ein Memorandum von 1940 des damaligen Chefs der sowjetischen Geheimpolizei.

«Stärkstes Mittel der Bestrafung»: Ermordete Offiziere bei Katyn.
«Stärkstes Mittel der Bestrafung»: Ermordete Offiziere bei Katyn.

Das russische Staatsarchiv hat erstmals Dokumente zum Massaker des sowjetischen Geheimdienstes an 22'000 polnischen Offizieren und Intellektuellen 1940 in Katyn ins Internet gestellt. Der Schritt erfolgte auf Anordnung von Präsident Dmitri Medwedew. Er gilt als Zeichen einer neuen russischen Bereitschaft, die Verantwortung für das Massaker zu übernehmen. Allerdings sind unter den Dokumenten nur solche, die ohnehin seit langem öffentlich zugänglich sind. Viele Weitere werden weiterhin unter Verschluss gehalten. Polen fordert die vollständige Öffnung der Archive.

Die nun ins Internet gestellten Unterlagen wurden erstmals 1992 vom damaligen Präsidenten Boris Jelzin veröffentlicht. Sie enthalten unter anderem einen Brief vom März 1940 des damaligen Geheimdienstchefs Lawrenti Beria, in dem er die Hinrichtung der polnischen Gefangenen empfahl. Er trägt die Unterschrift von Diktator Josef Stalin und drei weiteren Mitgliedern des Politbüros.

Belastender Streit

Ausserdem zählt zu ihnen ein Schreiben des damaligen KGB-Chefs aus dem Jahr 1959, in dem dieser die Führung der Kommunistischen Partei über die Vernichtung der Katyn-Akten informierte. Weiterhin geheim bleiben Unterlagen aus Ermittlungen in den 90er-Jahren, die Namen der eigentlichen Täter enthalten sollen.

Der Streit über den Umgang mit Katyn belastet die Beziehungen zwischen beiden Staaten seit langem. Das Massaker im Westen Russlands war von der Sowjetunion zunächst den deutschen Invasoren zugeschrieben worden; erst Anfang der 90er-Jahre machte Moskau Polen Abschriften von Stalins Liquidationsbefehl der polnischen Regierung zugänglich.

Geste der Versöhnung

Russland hat Polen nie offiziell um Entschuldigung für das Massaker gebeten. Aber die Entscheidung von Ministerpräsident Wladimir Putin, Anfang April mit seinem polnischen Kollegen Donald Tusk an einer Gedenkfeier für die Opfer von Katyn teilzunehmen, wurde als Geste der Versöhnung gewertet. Auch die russische Reaktion auf das Flugzeugunglück vom 10. April, bei dem der polnische Präsident Lech Kaczynski und 95 weitere ranghohe Vertreter des Landes auf dem Weg zu einer Gedenkfeier in Katyn ums Leben kamen, wurde in Warschau positiv aufgenommen.

AFP/sam

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch