SPD verliert an alle politischen Lager

Die Hälfte der bei der bayrischen Landatswahl verlorenen Wähler wanderten nach rechts ab, die andere Hälfte wählte die Grünen. Die Sozialdemokraten konnten zudem keine Nichtwähler mobilisieren.

Natascha Kohnen, SPD-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl (neben SPD-Generalsekretär Uli Grötsch), erreichte die Herzen der Wähler nicht.

Natascha Kohnen, SPD-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl (neben SPD-Generalsekretär Uli Grötsch), erreichte die Herzen der Wähler nicht.

(Bild: Keystone)

Die SPD hat bei der Landtagswahlen an alle politischen Lager Stimmen verloren und konnte als einzige Partei keine ehemaligen Nichtwähler für sich gewinnen. Nach einer Analyse von Infratest dimap für die Sozialdemokraten, die AFP am Montag vorlag, verlor die Partei 200'000 Wähler an die Grünen und 100'000 an die CSU. Zu den Freien Wählern wanderten 70'000 ehemalige SPD-Wähler, zur AfD 30'000.

«Die Sozialdemokraten sind zudem die einzige Partei, die keine ehemaligen Nichtwähler mobilisieren kann», heisst es in der Analyse weiter. Im Vergleich zu 2013 verlor die SPD in allen Alters-, Bildungs- und Berufsgruppen. Besonders bei 45- bis 59-Jährigen und bei Wählern mit hoher Bildung sei der Rückhalt für die Bayern-SPD deutlich schwächer als vor fünf Jahren, ebenso bei Beamten. Bei über 60-Jährigen schneide sie weiterhin am stärksten ab, erreicht aber auch hier nur 14 Prozent. Die SPD war mit gut 1,3 Millionen Stimmen bei der Landtagswahl vom Sonntag auf 9,7 Prozent der Stimmen abgestürzt und erreichte damit ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl überhaupt.

CSU profitierte von hoher Wahlbeteiligung

Anders als die SPD profitierte die ebenfalls geschwächte CSU von der hohen Wahlbeteiligung. Die Partei von Ministerpräsident Markus Söder, die auf 37,2 Prozent abgerutscht war, konnte 270'000 ehemalige Nichtwähler für sich gewinnen. Sie verlor laut Infratest dimap mit 170'000 die meisten Stimmen an die Grünen. Zur AfD und den freien Wählern wanderten jeweils 160'000 ehemalige CSU-Wähler.

Auch die CSU verlor Infratest dimap zufolge in nahezu allen Bevölkerungsgruppen an Zustimmung. Die Verluste waren bei Arbeitern und Wählern mit niedriger formaler Bildung sowie in den Altersgruppen bis 34 Jahren am stärksten. Auch wenn die Verluste bei den Älteren stark ausfielen, bestand der traditionelle Schwerpunkt der CSU bei den über 60-Jährigen fort. Dort konnte sie fast jeden zweiten Wähler von sich überzeugen.

Grünen legen überall zu

Die Grünen konnten der Infratest-Analyse zufolge 140'000 Nichtwähler für sich gewinnen, und verloren lediglich 10'000 Wähler an die AfD. Die Grünen legten gegenüber 2013 in allen Bevölkerungsgruppen zu. Zweistellige Gewinne erzielten sie in den Altersgruppen der 18- bis 44-Jährigen und bei den formal besser Gebildeten. Auch bei Selbstständigen, Beamten und Angestellten verbesserten sie sich deutlich, ebenso bei den Rentnern.

Die AfD bekam laut Infratest dimap rund 190'000 Stimmen aus dem Kreis nichtetablierter Parteien, die stets unter fünf Prozent liegen. Zudem entschieden sich 180'000 Nichtwähler für die Rechtspopulisten. Von den Freien Wählern bekam die AfD 60'000 Stimmen. Das Motiv der AfD-Wähler war zumeist der Protest: 56 der AfD-Wähler trafen ihre Entscheidung aus Enttäuschung über andere Parteien. Immerhin fast vier von zehn gaben allerdings an, von der AfD überzeugt zu sein.

amu/AFP

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