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Spätes Buhlen um «Le Monde»

Auch Ringier prüft ein Engagement beim Pariser Zeitungshaus.

Am Ende drängen sich die Interessenten am Bett des französischen Patienten: Die linksliberale Abendzeitung «Le Monde», die unter einer Last von 200 Millionen Euro Schulden leidet, registriert mit einiger Genugtuung, dass ihr Name offenbar noch strahlt und lockt. Neben den bisher bekannten Namen von drei möglichen Investoren gab nun auch der Schweizer Verlag Ringier bekannt, dass er sich das Dossier anschaue. Michael Ringier war dafür letzte Woche in Paris.

Juristische Hürden

60 bis 70 Millionen Euro sollten fürs Erste reichen, so die Spitze von «Le Monde» in einem exklusiven Interview mit dem «Journal du Dimanche», um das Medienhaus zu retten. Für die Abendzeitung, die im Besitz ihrer Redaktoren steht, hiesse das, dass sie ihre Unabhängigkeit verlöre. Alternativen gibt es jedoch keine mehr. Ringiers spätes Interesse kommt für viele überraschend, obschon sich die Verlage gut kennen: Sie sind gemeinsam an der Genfer Zeitung «Le Temps» beteiligt. Frankreichs Medien verweisen darauf, dass die Zürcher mit dem deutschen Verlag Springer kooperieren, was als Garantie für Solidität gewertet wird.

Probleme könnte das Gesetz machen: In Frankreich darf ein ausländischer Verlag höchstens 20 Prozent eines nationalen Medienhauses besitzen. Deshalb scheinen die Chancen zweier französischer Seilschaften grösser: Eine hat sich um den Besitzer des linksliberalen Nachrichtenmagazins «Le Nouvel Observateur» formiert, die andere um Pierre Bergé, der den Sozialisten nahesteht. Noch unklar ist, welche Rolle der Industriellensohn Arnaud Lagardère spielen wird: Der Freund von Nicolas Sarkozy hält schon Anteile an «Le Monde» und hätte darum ein Vorkaufsrecht, doch es heisst, er sei nicht daran interessiert.

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