«Solch eine Medienkonzentration ist wirklich gefährlich»

Labour-Oppositionsführer Edward Miliband fordert ein neues Mediengesetz, um die Macht von Medienmogul Rupert Murdoch einzudämmen. Liberalen-Chef und Vizepremier Nick Clegg stimmt zu.

Setzt sich für eine strengere gesetzgebung ein: Labour-Chef Edward Miliband äussert sich in einem BBC-Studio zum Abhörskandal. (14. Juli 2011)

Setzt sich für eine strengere gesetzgebung ein: Labour-Chef Edward Miliband äussert sich in einem BBC-Studio zum Abhörskandal. (14. Juli 2011)

(Bild: Reuters)

Zwei Tage nach ihrem Rücktritt als britische Statthalterin des Murdoch-Medienkonzerns ist Rebekah Brooks am Sonntag von der Kriminalpolizei festgenommen worden. Die frühere Chefredaktorin der Boulevardzeitungen «News of the World» (NoW) und «The Sun» wird beschuldigt, sie habe von illegalen Abhöraktivitäten ihrer Mitarbeiter sowie von Bestechungszahlungen an Polizisten gewusst.

Am Dienstag soll sie, ebenso wie Rupert und James Murdoch, dem Medienausschuss des Unterhauses Rede und Antwort stehen. Bereits vorab setzen führende Politiker das Unternehmen unter zusätzlichen Druck. Die grosse Konzentration britischer Medien in einer Hand sei «ungesund», weil sie zu «Machtmissbrauch geführt habe», sagte Labour-Oppositionsführer Edward Miliband der Zeitung «The Observer».

Mehrere Treffen mit Murdoch

Nach der Einstellung des Sonntagsblattes NoW gehören noch «The Sun», «The Times» und «The Sunday Times» zu Murdochs britischer Tochterfirma News International. Dazu besitzt die US-Holding News Corporation 39 Prozent des hochprofitablen Bezahlsenders BSkyB. «Solch eine Medienkonzentration ist wirklich ziemlich gefährlich», sagte Miliband, der sich in der Murdoch-Affäre als Aufklärer profiliert hat, obwohl seine Labour-Party den Medienunternehmer jahrelang ebenso hofierte wie der jetzige konservative Premier David Cameron.

Der Regierungschef hatte seit Amtsantritt im Mai 2010 26 Treffen mit Murdoch und dessen Spitzenmanagern; mit Brooks, einer Nachbarin in der Grafschaft Oxford, feierte die Familie Cameron sogar Weihnachten. Brooks’ Nachfolger als NoW-Chefredaktor, der mittlerweile ebenfalls polizeilich festgenommene Andy Coulson, war bis Januar Camerons engster Medienberater.Dem politisch schwer angeschlagenen Konservativen setzt ausser Opposition und Medien auch der kleine Koalitionspartner zu. Der liberaldemokratische Parteichef und Vizepremier Nick Clegg wich in der BBC Fragen nach Camerons Integrität aus und schloss sich Milibands Vorstellungen an. «Wir müssen wieder sicherstellen, dass es in den britischen Medien echte Vielfalt gibt.»

Vom Suppenhuhn zum Adler

Der Labour-Chef galt zu Monatsbeginn, gerade neun Monate nach Amtsantritt, als beinahe irreparabel beschädigt: roboterhafte Medienauftritte, die Zustimmungswerte im Keller, ein Schattenkabinett von müden Ex-Stars und vorlauten Greenhorns, die Parteifinanzen zerrüttet und völlig von den Gewerkschaften abhängig. In der Murdoch-Affäre wandelte sich das Suppenhuhn zum Adler: Miliband glänzte von Anfang an mit der richtigen Mischung aus staatsmännischer Zurückhaltung und parteipolitischer Wadenbeisserei. Früh forderte er eine richterlich geleitete unabhängige Untersuchung und den Rücktritt von Brooks, früh lehnte er Murdochs geplante Gesamtübernahme des lukrativen Satellitensenders BSkyB ab. Im Parlament hatte Premier David Cameron (44) sein Gegenüber monatelang nur abgewatscht. Nun drehte Miliband den Spiess um. «Der Premierminister kapierts einfach nicht», sagte der Oppositionsführer, und seine Fraktion jubelte ihm endlich einmal zu.

Die Festnahme der einstigen Sekretärin Brooks lenkte am Sonntag kurzzeitig von den massiven Problemen der Ermittlungsbehörde Scotland Yard ab. Enge personelle Verflechtungen mit News International sowie die von beiden Seiten bestätigten Bestechungsgelder an korrupte Polizisten haben den Ruf der weltweit berühmten Behörde beschädigt. Der Londoner Polizeipräsident Paul Stephenson muss sich am Dienstag ebenfalls vor dem Parlament dafür rechtfertigen, dass er den früheren Vizechef der NoW als Medienberater engagierte. Zu der Zeit war längst bekannt, dass NoW-Mitarbeiter illegal Tausende von Mobiltelefonen abgehört hatten. Im vergangenen Winter liess sich der erst kürzlich von einer Krebserkrankung genesene Stephenson einen Kuraufenthalt im Wert von 15 700 Franken bezahlen.

Tages-Anzeiger

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