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«So arbeitet ein Populist im Internetzeitalter»

Karl-Theodor zu Guttenberg geht in der Plagiats-Affäre in die Offensive, indem er Fehler eingesteht und auf den Doktortitel verzichtet. Seine Worte stossen in der deutschen Presse auf Unverständnis.

Gesteht Fehler ein: Karl-Theodor zu Guttenberg verzichtet bei einer Wahlkampfrede in der Nähe von Frankfurt auf seinen Doktortitel.
Gesteht Fehler ein: Karl-Theodor zu Guttenberg verzichtet bei einer Wahlkampfrede in der Nähe von Frankfurt auf seinen Doktortitel.
Keystone
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Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat die Universität Bayreuth um die Rücknahme seines Doktortitels gebeten. Dies erklärte der deutsche Verteidigungsminister bei einer Wahlveranstaltung in der Nähe von Frankfurt. Er verwies dabei auf «gravierende handwerkliche Fehler», die er bei nochmaliger Durchsicht seiner Dissertation festgestellt habe. Auch «Peinliches» sei dabei passiert, gab sich Guttenberg selbstkritisch. Womöglich habe er an «der einen oder anderen Stelle» den Überblick über die Quellen verloren. Geschrieben habe er dies alles selber. Er stehe zu diesem selbst verursachten «Blödsinn».

«Mit ‹Blödsinn› kann aber nur gemeint sein, was Guttenberg Anfang vergangener Woche noch als ‹abstrus› bezeichnet hatte – nämlich dass seine Doktorarbeit ein Plagiat sei, also gefälscht», schreibt die «Financial Times Deutschland» in einem Kommentar mit dem Titel «Guttenberg, das Anti-Vorbild». Die Affäre um den deutschen Verteidigungsminister sei ein «Trauerspiel». Die Kommunikationsstrategie Guttenbergs habe versagt. Anstatt sich konsequent für seine Fehler zu entschuldigen und reumütig zu sein, habe er gelogen. Mit seinen Eingeständnissen im Zweitagestakt setze Guttenberg auf das löchrige Gedächtnis der Wähler. «So arbeitet ein Populist im Internetzeitalter», folgert die FTD.

Hammerschläge in Plaudertöne verpackt

Die «Zeit online» schlägt in die gleiche Kerbe. Guttenberg zeige «ein interessantes Verhältnis zur Wahrheit». Mit seiner Rede vom Montag habe er seine letzte Glaubwürdigkeit verloren: «Sollte er sein Amt behalten, ist er auf dem besten Weg, den Ruf eines unkalkulierbaren Luftikus nicht mehr loszuwerden, ja als Karikatur zu gelten.» Es grenze zudem an «Realitätsverleugnung» in einer grosszügig und freiwillig wirken wollenden Geste den Doktortitel abzugeben. Guttenberg sei mit seiner Taktik der Aberkennung des Doktortitels durch die Universität Bayreuth zuvorgekommen.

Guttenberg verpacke Hammerschläge in Plaudertöne, meint Stern.de nach der Rede des Verteidigungsministers. Es sei hier nichts von einem reuigen Mann zu erkennen, der zerknirscht Fehler eingestehe: «Dass zu Guttenberg nicht wirklich erklärt hat, warum er abschrieb, wieso er den Überblick verloren hat, fällt nur wenigen an diesem Abend auf.»

Rückendeckung aus der CDU

Aus den Reihen der Opposition bläst dem Verteidigungsminister ein eisiger Wind entgegen. Die SPD hält den Ruf Guttenbergs nach dessen Doktortitel-Rückzug für irreparabel beschädigt. «Der Verteidigungsminister leidet unter einem Realitätsverlust, der kurz vor dem Rücktritt kommt», sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, dem «Spiegel online».

Rückendeckung erhält Guttenberg alleine noch von der Regierungspartei. «Ich finde, dass Karl-Theodor zu Guttenberg die Sache in geeigneter Weise gelöst hat», lobte der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) die Entscheidung des Verteidigungsministers im «Hamburger Abendblatt». Die Entscheidung, auf den Titel zu verzichten, sei «aller Ehren wert».

Der Kommentar der Bundeskanzlerin

In der gleichen Art hat die deutsche Bundeskanzlerin angedeutet, dass sie an Guttenberg auch dann festhalten würde, wenn ihm der Doktortitel aberkannt würde. Für sie sei allein seine Arbeit als Minister entscheidend, und die mache er hervorragend. Sie habe ihn nicht als wissenschaftlichen Assistenten oder Inhaber eines Doktortitels berufen. In dieser festgefahrenen Situation gibt es für die FTD daher nur einen Ausgang: «Es wäre wunderbar, wenn die Wähler Guttenberg bei der nächsten Gelegenheit selbst Lügen strafen würden.»

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