Slowakischer Präsident fordert Neuwahlen nach Journalistenmord

Dass Misstrauen der Bevölkerung in die Regierung ist nach dem Mord an Jan Kuciak enorm. Präsident Kiska will das Vertrauen in den Staat verbessern.

Gedenkt in Bratislava der Toten: Andrej Kiska hält ein Kerze. (2. März 2018)

Gedenkt in Bratislava der Toten: Andrej Kiska hält ein Kerze. (2. März 2018)

(Bild: AFP Vladimir Simicek)

Nach der Ermordung des Enthüllungsjournalisten Jan Kuciak in der Slowakei hat Präsident Andrej Kiska Neuwahlen oder eine umfassende Regierungsumbildung gefordert. «Ich sehe jetzt diese beiden Lösungen», sagte Kiska am Sonntag in einer Fernsehansprache mit Blick auf die landesweiten Proteste nach der Ermordung Kuciaks.

Der 27-jährige Journalist, der zahlreiche Artikel über Korruption in der Slowakei veröffentlicht hatte, und seine Verlobte Martina Kusnirova waren in der Nacht zum Montag in ihrem Haus tot aufgefunden worden. Sie waren nach Polizeiangaben durch Schüsse in Kopf und Brust im Stil einer Hinrichtung getötet worden.

Verbindung zwischen Mafia und Politiker

Kuciak hatte über die Verfilzung von Politik und Geschäftemacherei recherchiert und war offenbar in seiner Untersuchung der sogenannten Panama-Papers auf mögliche Verbindungen italienischer Mafia-Clans zu slowakischen Politikern und Regierungsmitarbeitern gestossen.

Zwei enge Vertraute des sozialdemokratischen Regierungschefs Robert Fico, die nach Recherchen des Ermordeten mit italienischen Mafiagruppen in Verbindung gestanden haben sollen, legten ihre Funktionen im Regierungsamt nieder.

Der slowakische Mafia-Experte Radovan Branik brachte die Version ins Spiel, Kuciak könnte einer Manipulation im Obersten Gerichtshof der Slowakei auf der Spur gewesen sein. Gekaufte Richter hätten demnach dafür gesorgt, dass ihnen die Entscheidung in finanziell lukrativen Streitfällen zugeteilt würden, womit ein Firmennetzwerk riesige Summen verdient habe. Die Redaktion von Aktuality.sk, für die der Ermordete arbeitete, wies das aber am Freitag zurück.

nag/AFP

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