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Schavan lässt politische Zukunft offen

Ausgerechnet die deutsche Bildungsministerin Annette Schavan muss wegen einer Plagiatsaffäre ihren Doktortitel abgeben. Die Opposition findet sie nicht mehr tragbar – sie will jedoch vorerst nicht demissionieren.

Die Entscheidung fiel nach einer langen Sitzung: Schavan muss ihren Doktortitel abgeben.

Die deutsche Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat ihre politische Zukunft nach Entzug ihres Doktortitels vorerst offengelassen. Am Rande eines Besuchs in Südafrika bekräftigte Schavan nach Angaben ihres Ministeriums heute ihre Absicht, gegen die Entscheidung der Universität Düsseldorf zu klagen. Mit Blick auf die juristische Auseinandersetzung bitte sie um Verständnis, «dass ich heute keine weitere Stellungnahme abgeben werde».

Die Universität Düsseldorf hatte Schavan gestern nach neun Monaten Prüfung wegen «vorsätzlicher Täuschung» in ihrer Promotionsarbeit den vor 33 Jahren erworbenen Doktortitel entzogen. Im zuständigen Fakultätsrat hatten 12 von 15 stimmberechtigten Mitgliedern für die Aberkennung des Titels votiert. Es gab zwei Nein-Stimmen und eine Enthaltung.

Der Rat habe es als erwiesen angesehen, dass Schavan systematisch und vorsätzlich über ihre Dissertation verteilt gedankliche Leistungen vorgegeben habe, die sie nicht selbst erbracht habe. Der Rat habe eine «vorsätzliche Täuschungsabsicht» festgestellt.

Öffentliche Rücktrittsforderungen

Schavan hatte schon am Vorabend über ihre Anwälte erklären lassen, sie werde gegen die Entscheidung klagen. Sie hat für ihre Klage vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf einen Monat Zeit. In einem Communiqué hiess es, die Entscheidung sei in einem fehlerhaften Verfahren zustande gekommen und sei auch materiell rechtswidrig. Die Anwälte betonten: «Eine Täuschung hat es nicht gegeben.»

Der Prozess könnte sich über Monate hinziehen und durch weitere Instanzen gehen. Die Uni-Entscheidung ist somit noch nicht rechtskräftig. Aus der Opposition wurden Rücktrittsforderungen gegen Schavan laut.

Schavan ist nach dem ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) das zweite Regierungsmitglied im Kabinett Merkel, dem wegen Plagiatsvorwürfen der Doktorgrad entzogen wird. Die Ministerin, eine enge Vertraute Merkels, hatte Plagiate und eine Täuschungsabsicht in ihrer Doktorarbeit stets bestritten und die Prüfung durch die Uni selbst mitangeregt.

Schavan hatte sich damals von Guttenberg distanziert. «Als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat und in seinem Berufsleben viele Doktoranden begleiten durfte, schäme ich mich nicht nur heimlich», sagte sie Anfang 2011 in der «Süddeutschen Zeitung».

Dekan: Keine anderen Massstäbe

Dekan Bleckmann sagte, der Rat lehne es ab, an die Arbeit aus dem Jahr 1980 andere Massstäbe anzulegen als heutzutage. Schavan habe in ihrer schriftlichen Stellungnahme zu der umstrittenen Dissertation auf Besonderheiten der Promotionskultur der Achtzigerjahre hingewiesen.

Klar sei aber, dass die Zitierstandards der Erziehungswissenschaft zum Entstehungszeitpunkt der Arbeit die gleichen gewesen seien wie in der übrigen philosophischen Fakultät. In Leitfäden sei deutlich gemacht, dass nicht gekennzeichnete wörtliche Übernahmen fremder Texte als Textplagiate zu werten seien und Sanktionen nach sich ziehen müssten.

SDA/mrs

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