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Schäubles verlorene Wette

Am Montag trat der dauerhafte Eurorettungsschirm (ESM) in Kraft. Damit hätte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble vor zwei Jahren nicht gerechnet, wie sein vollmundiges Versprechen damals zeigt.

Hätte es einen Einsatz gegeben, würde die Wette ihm heute womöglich Kopfzerbrechen bereiten: Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble.
Hätte es einen Einsatz gegeben, würde die Wette ihm heute womöglich Kopfzerbrechen bereiten: Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble.
Keystone

«Wetten, dass Wolfgang Schäuble sich heute wünscht, dieses Interview nie gegeben zu haben?», schreibt die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) heute. Das angesprochene Interview gab der CDU-Politiker am 24. Juli 2010. Damals, kurz nachdem der befristete Rettungsschirm (EFSF) von der EU in Kraft gesetzt wurde, warb er für seine Idee eines Insolvenzrechtes für Staaten, um für Regierungen und Finanzmarktteilnehmer bessere Anreize zu schaffen. Und er liess sich auf eine Wette mit der FAZ ein.

«Jede Wette, dass Ihr Vorschlag nicht verwirklicht und stattdessen der Rettungsschirm für die Euroländer verlängert wird», meinte damals der Journalist. Worauf Schäuble antwortete: «Solange Angela Merkel Bundeskanzlerin ist und ich Finanzminister bin, würden Sie diese Wette verlieren. Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart.» Griechenland könne insgesamt drei Jahre lang die Kreditlinien in Anspruch nehmen, danach können diese noch fünf Jahre laufen, erklärte er weiter. «Danach ist Schluss.»

Schäuble ist vorsichtiger geworden

Seit Montag ist klar, dass seine Vorhersage völlig falsch war. Denn nun wird den kriselnden Euroländern und dem Euro durch den Rettungsschirm ESM Stabilität verliehen. Und bekanntermassen ist Merkel immer noch Bundeskanzlerin, Schäuble selbst weiterhin Finanzminister. Zudem hat der Deutsche Bundestag am 27. Februar dieses Jahres dem zweiten Rettungspaket für Griechenland zugestimmt. Dieses Paket sieht vor, dass Griechenland bis 2014 bis zu 130 Milliarden Euro erhalten wird.

Schäuble ist diesbezüglich mit seinen Prognosen vorsichtiger geworden: «Wir verschaffen Griechenland Zeit bis 2020», sagte er am Sonntag in einem Interview mit dem ZDF. So lange sei das Hilfsprogramm angelegt. «Erst dann muss Griechenland wieder Zugang zu den Finanzmärkten bekommen», äusserte er sich. In einem, so schreibt der Journalist der FAZ, der bereits das Interview vor zwei Jahren verfasste, habe Schäuble aber Glück gehabt: «Einen Wetteinsatz gab es damals nicht.»

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