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Sarkozy droht mit «nationalem Krieg»

Die nächtlichen Krawalle in Frankreich halten an: Nun geraten vermehrt Polizisten ins Visier der Straftäter. Der Regierung reichts.

Der Feind lauert auf der Strasse: Polizist in Grenoble.
Der Feind lauert auf der Strasse: Polizist in Grenoble.
Keystone

Nach nächtelangen Krawallen in der Alpenstadt Grenoble ist es in Frankreich zu einer ganzen Serie von Angriffen auf Polizisten gekommen, wobei stets mit scharfer Munition geschossen wurde. Im Burgund, im Pariser Problemvorort Villiers-le-Bel sowie bei Lyon kam es zu solchen Attacken, wie Behörden und Polizeigewerkschaft am Donnerstag mitteilten.

Beamte unter Beschuss

Im Problemvorort Villiers-le-Bel bei Paris wollte eine Polizeistreife in der Nacht zum Donnerstag ein Fahrzeug kontrollieren, wie die Polizeigewerkschaft Alliance mitteilte. Daraufhin seien etwa fünfzehn Bewaffnete aufgetaucht, die zweimal auf die Beamten geschossen hätten. Verletzt wurde niemand. In Villiers-le-Bel und weiteren Pariser Vorstädten war es im November 2007 zu tagelangen Krawallen gekommen, nachdem zwei Jugendliche bei einem Unfall mit der Polizei gestorben waren.

Die Wohnung eines Polizisten rund 30 Kilometer östlich von Lyon wurde ebenfalls in der Nacht zu Donnerstag beschossen, wie die Staatsanwaltschaft Vienne bekanntgab. Verletzt wurde auch hier niemand. Die Ermittler schlossen einen Zusammenhang mit den gewalttätigen Ausschreitungen vor rund drei Wochen im nahegelegenen Grenoble aus.

Steine als Waffe

Im Burgund wurde in einem Problemviertel der Stadt Auxerre mit scharfer Munition auf ein Polizeiauto geschossen. Zuvor hatte sich ein junger Mann laut Präfektur vor einer Polizeikontrolle in sein Viertel geflüchtet und war dort von einer Gruppe mit Schlagstöcken und Steinen geschützt worden.

Die Justiz müsse nach der Serie von Angriffen «mit der Faust auf den Tisch hauen», erklärte die Polizeigewerkschaft. «Grenoble, Auxerre und jetzt Villiers-le-Bel - diese Schüsse werden von Kriminellen abgegeben, die bereit sind zu töten, um die Festnahme eines Straftäters zu verhindern».

Morddrohungen gegen Polizisten

In Grenoble hatte es nächtelang Ausschreitungen gegeben, nachdem die Polizei einen bewaffneten Casinoräuber erschossen hatte - der junge Mann aus einer nordafrikanischen Einwandererfamilie hatte auf die Polizei geschossen, die die Schüsse erwiderte und ihn tödlich traf. Bei den folgenden Krawallen wurde die Polizei erneut mehrfach beschossen; Polizisten erhielten zudem Morddrohungen.

Der französische Innenminister Brice Hortefeux ging in der Nacht zum Donnerstag demonstrativ mit Polizisten in Grenoble auf Streife. Um die Sicherheit in dem ostfranzösischen Gebiet zu erhöhen, setzte er ausserdem eine Regionale Eingreifgruppe (GIR) ein, in der Polizisten, Zoll, Steuer- und Arbeitskontrolleure sowie erstmals auch Mitarbeiter von Kranken- und Familienkassen zusammenarbeiten. Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte kürzlich in Grenoble hervorgehoben, dass die Regierung einen «nationalen Krieg» gegen Straftäter führen werde.

AFP/mrs

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