Russland plant Raketenübung in Nato-Manövergebiet

Am Donnerstag ist das grösste Nato-Manöver seit Ende des Kalten Krieges angelaufen. Nun will auch Moskau im Manövergebiet Übungen abhalten.

Ein norwegisches Torpedoboot während der Nato-geführten Militärübung Trident Juncture 2018 vor der Küste von Trondelag in Norwegen. (29. Oktober 2018)

Ein norwegisches Torpedoboot während der Nato-geführten Militärübung Trident Juncture 2018 vor der Küste von Trondelag in Norwegen. (29. Oktober 2018)

(Bild: Keystone Gorm Kallestad/Norway)

Die russische Marine will Schiessübungen vor der norwegischen Küste in einem Gebiet abhalten, wo auch die Nato gerade trainiert. Das geht aus einer Mitteilung der norwegischen Flugsicherung Avinor von Montag hervor.

In einem Avinor-Hinweis für Zivilpiloten («Notam», «Notice to airmen») ist von einem Areal vor Norwegens Westküste in Höhe der Stadt Trondheim die Rede. Hier wolle die russische Marine in internationalen Gewässern vom 1. bis 3. November Raketen abfeuern. Das Testgebiet überschneidet sich teilweise mit dem Manövergebiet der Nato-Übung Trident Juncture 18, die zurzeit in Norwegen stattfindet.

Die Routinemeldung lasse den Piloten die Entscheidung, das Gebiet zu meiden, sagte Avinor-Kommunikationschef Erik Lødding der Nachrichtenagentur DPA. Spürbare Auswirkungen auf die zivile Luftfahrt erwarte er nicht.

Kalte Nasen

Das norwegische Militär teilte im staatlichen Rundfunk NRK mit, die russische Übung sei bekannt und werde das Manöver Trident Juncture nicht beeinträchtigen. Zurzeit trainieren in Norwegen rund 50'000 Soldaten aus den Nato-Staaten für den Bündnisfall, das heisst, den Beistand für ein angegriffenes Nato-Mitglied – und nach Angaben des Gastgebers läuft alles nach Plan.

Es gebe «kalte Füsse, kalte Finger und kalte Nasen», aber man habe es geschafft, eine riesige Anzahl von Soldaten zu bewegen. Dies sagte der norwegische Verteidigungsminister Frank Bakke-Jensen am Dienstag an einer Pressekonferenz mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Zudem habe man schon jetzt neue Fähigkeiten erworben, die notwendig seien, um einander gegenseitig zu verteidigen. «Das ist kollektive Verteidigung in der Praxis», sagte Bakke-Jensen.

Stoltenberg betonte noch einmal, dass sich das Manöver nicht gegen Russland richte. Die Nato übe, um Konflikte verhindern zu können und nicht, um einen Konflikt zu provozieren, sagte er. Russland sei über die Grossübung informiert worden und habe sogar die Möglichkeit, sie durch Beobachter zu begleiten.

Treffen des Nato-Russland-Rats am Mittwoch

Unterdessen teilte die Nato in Brüssel mit, am Mittwoch werde ein Treffen des Nato-Russland-Rats stattfinden, das achte in den vergangenen zwei Jahren. Erst kürzlich hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, aus dem 1987 zwischen den USA und der Sowjetunion geschlossenen INF-Abkommen zur Abschaffung von landgestützten, atomar bestückbaren Mittelstreckenraketen auszusteigen.

Der 2002 gegründete Nato-Russland-Rat ist das wichtigste Gesprächsforum zwischen beiden Seiten. Wegen des Ukraine-Konflikts lag der Dialog von Juni 2014 bis April 2016 auf Eis.

nag/sda

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