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Russland erlässt Haftbefehl gegen Chodorkowski

Russland hat gegen den Oppositionellen Michail Borissowitsch Chodorkowski einen internationalen Haftbefehl ausgestellt. Das verlautet aus Ermittlerkreisen.

Unter Mordverdacht: Der Oppositonelle Michail Chodorkowski.
Unter Mordverdacht: Der Oppositonelle Michail Chodorkowski.
Peter Schneider, Keystone

Die russische Justiz hat den Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski auf eine internationale Fahndungsliste gesetzt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Ria Nowosti unter Berufung auf den Sprecher der Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin. Der frühere Oligarch stehe unter Mordverdacht. Am Vortag war bekannt geworden, dass Büros der von Chodorkowski gegründeten Stiftung Open Russia in Russland durchsucht wurden.

Die Ermittler wollen den 51-Jährigen «mit allen rechtlichen Mitteln» in ihren Gewahrsam bringen. Chodorkowski, der sich derzeit in London aufhält, reagierte gelassen: Er werde sich wohl kaum selbst stellen, teilte seine Sprecherin Maria Logan mit.

Die Nachrichtenagentur Interfax zitierte Markin mit den Worten, die Durchsuchungen stünden im Zusammenhang mit einen Fall aus dem Jahr 2003, in den Chodorkowski und dessen Partner verwickelt gewesen seien. Dabei gehe es um die Privatisierung des Bergwerks- und Düngemittelunternehmens Apatit, die vom Staat als illegal eingestuft wurde.

Mord an Bürgermeister in Auftrag gegeben

Anfang Dezember hatte die Polizei zudem ein anderes altes Verfahren wieder aufgenommen. Es lägen Beweise vor, dass Chodorkowski 1998 den Mord an dem Bürgermeister der sibirischen Stadt Neftejugansk in Auftrag gegeben habe, hiess es. Chodorkowski bestreitet die Vorwürfe.

Chodorkowski lebte lange in der Schweiz – vor kurzem verlegte er seinen Wohnsitz nach London. Er gehörte zu den russischen Oligarchen, die in dem wirtschaftlichen Chaos nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion riesige Reichtümer angehäuft hatten. Er selbst kontrollierte den Ölkonzern Yukos.

Später überwarf er sich mit Präsident Wladimir Putin und wurde 2003 wegen Steuerhinterziehung verhaftet. Yukos wurde zerschlagen, Chodorkowski kam ins Arbeitslager aus dem er 2013 entlassen wurde. Er bewertete den Prozess als politisch motiviert. Wenige Monate vor den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi begnadigte Präsident Wladimir Putin Chodorkowski. Putins Sprecher Dmitri Peskow erklärte kürzlich, der Präsident habe von den Mordanschuldigungen nichts gewusst, als er Chodorkowski begnadigte.

Die von Chodorkowski gegründete Stiftung Open Russia veröffentlicht Berichte über die Lage in Russland und setzt sich für freie Wahlen ein.

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