Zum Hauptinhalt springen

Russisches TV zeigt Video von Nemzow-Tatort

In den russischen Medien ist ein Video aufgetaucht, das aus grosser Distanz den Mord an Boris Nemzow zeigt. Zum Tatzeitpunkt versperrte ein Schneeräumfahrzeug die Sicht.

Um 23.31 Uhr ermordet: Überwachungsvideo von der Grossen Moskwa-Brücke. (Video: Reuters)

Der Moskauer Fernsehsender TWZ hat ein Überwachungsvideo veröffentlicht, auf dem der Mord am Oppositionellen Boris Nemzow aufgezeichnet ist. Aus grosser Distanz ist zu sehen, wie er mit seiner Begleiterin gegen 23.30 Uhr die Grosse Moskwa-Brücke in Moskau überquert. Er werde offenbar von einem Mann verfolgt, kommentiert der TWZ-Reporter.

Ein Schneeräumfahrzeug nähere sich dem Paar und verdecke es um exakt 23.31 Uhr – wenige Sekunden später sei zu sehen, wie eine Person auf die Strasse renne, sich in ein Auto setze und wegfahre. Das Schneeräumfahrzeug bleibe einige Meter weiter stehen, Boris Nemzow liege zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Boden. Seine Begleiterin spreche nach der Tat offenbar den Fahrer des Schneeräumfahrzeugs an. Auch Passanten liefen am Tatort vorbei, zunächst reagiere aber niemand. Erst vier Minuten nach der Tat bleibe das erste Auto stehen, etwa zehn Minuten danach treffe die Polizei ein.

Oppositionelle leben «nicht ungefährlich»

Der Menschenrechtsbeauftragte der deutschen Bundesregierung, Christoph Strässer (SPD), hat vor dem Hintergrund des Mordes an dem Kreml-Kritiker Boris Nemzow die riskante Lage für Oppositionelle in Russland beklagt. Wer in Moskau dem «System Putin» oppositionell begegne, lebe «nicht ungefährlich», sagte Strässer den «Ruhr»-Nachrichten mit Bezug auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin. «Dass Gegner auf offener Strasse erschossen werden, ist eine erschreckende Eskalation», fügte er hinzu. «Es herrscht ein Klima der Angst.»

Nemzow, der unter Präsident Boris Jelzin in den 90er Jahren Vize-Ministerpräsident war, war am späten Freitagabend in Moskau erschossen worden. Die Tat löste weltweit Entsetzen aus. Weggefährten vermuten, dass dem 55-jährigen Dissidenten sein jahrelanges Engagement in der Opposition zum Verhängnis wurde.

Strässer kritisierte vor diesem Hintergrund, dass Putin nichts unternehme, um die russische Zivilgesellschaft zu stärken. «Er bekennt sich auch nicht dazu, dass es auch in Russland eine Opposition geben muss, weil das etwas mit einer demokratischen Entwicklung zu tun hat», sagte er.

AFP/fko

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch