Zum Hauptinhalt springen

Robin Hood der Moderne: 500'000 Euro erschwindelt – und abgetaucht

Fast filmreif: Ein Globalisierungsgegner ergaunert Kredite in der Höhe von fast einer halben Million Euro, verschwindet und lässt damit eine Anti-Globalisierungs-Zeitschrift drucken.

Enric Duran hat in seiner Kindheit wohl zu oft Robin Hood gespielt. Der Spanier – ein überzeugter Globalisierungsgegner – hält es noch heute wie sein Vorbild: Er nimmt von den Reichen. «Ich habe 492'000 Euro von denen ‹gestohlen›, die uns bestehlen», erzählt der 32-Jährige in einem Magazin, das gestern in einer Auflage von 200'000 Exemplaren in der spanischen Provinz Katalonien verteilt wurde. Brisant: Das Heft mit dem Namen «Krise» hat er angeblich mit dem entwendeten Geld gedruckt. Auf 20 Seiten berichtet Duran, wie er es mit kleinen Betrügereien geschafft hat, bei 39 Banken Kredite in der Höhe von 492'000 Euro aufzunehmen – das sind rund 780'000 Franken.

Inzwischen ist Duran laut der französischen Webzeitung «Rue89» untergetaucht, denn die Banken wollen ihr Geld wieder haben. Er denkt jedoch nicht daran, die Kredite zurückzuzahlen – dient der Raub doch einem höheren Ziel: «Diese Aktion ist ein Aufruf: Alle sollen sich fragen, was sie tun können und wollen, um die gegenwärtige Lage der Welt zu ändern – auch wenn es unwahrscheinlich scheint». Sein Ziel: Das Bankensystem zu demoralisieren und zu zerstören. Zu diesem Zweck gibt Duran handfeste Tipps, wie sich jedermann in Spanien einen Kredit erschleichen kann: Schon der Vorwand, die Wohnung reparieren oder ein Auto kaufen zu wollen, sei ausreichend.

Klebstreifen und Schere: Die Werkzeuge des Fälschers

Doch Duran geht noch weiter: Er fälschte nach eigenen Angaben seine Unterlagen, um trotz seinen Einträgen im Schuldenregister an weitere Kredite heranzukommen. «Manchmal kann man schon mit einem Drucker, einem Kopierer, einer Schere und etwas Klebstreifen wahre Wunderwerke hervorzaubern». In 68 Bankgängen hat er sich so die rund 500'000 Euro erschwindelt – ohne in den Kontrollen hängenzubleiben. «Das ist der Beweis, dass die Banken mitschuldig sind an der Verschuldung vieler Spanier». In der Tat, viele spanische Familien leben auf Pump: Sie finanzieren die Hälfte ihrer Ausgaben mit Krediten. Bis jetzt läuft gegen Duran noch keine Strafuntersuchung. Vielleicht hoffen die Banken noch auf einen Sinneswandel des selbsternannten Robin Hood der Moderne.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch