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Operation Zwiebel-Terror

Der türkische Präsident Erdogan hat ein brennendes Problem: den happigen Preisanstieg der Zwiebel. Darum führt die Regierung neuerdings Razzien in Gemüsekellern durch.

1 Kilo Zwiebeln kostet 10 türkische Lira – etwa 1.85 Franken. Foto: iStock
1 Kilo Zwiebeln kostet 10 türkische Lira – etwa 1.85 Franken. Foto: iStock

Die türkische Küche ist ohne die Zwiebel undenkbar. Zum Beispiel das Gericht Imam Bayildi – wörtlich: Der Imam ist in Ohnmacht gefallen –, eine Köstlichkeit mit Auberginen und, ganz wichtig: Zwiebeln. Oder Köfte, Fleischbällchen, natürlich mit Zwiebeln. Nun aber gibt es ein Problem mit dem Grundpfeiler der türkischen Esskultur: Zwiebeln sind verdammt teuer geworden. In einigen Istanbuler Supermärkten schreiben sie jetzt den Einkaufspreis dazu, damit die Kunden den Verkaufspreis überhaupt akzeptieren, denn der ist vier- bis fünfmal so hoch wie vor einem Jahr.

Die Inflation, die Finanzkrise, der Dollarkurs, alles mit schuld, heisst es. Nun versichert die Regierung von Recep Tayyip Erdogan aber stets, es gebe gar keine Krise. Warum also macht der Zwiebelpreis die Augen der Konsumenten feucht? Die Regierung hat auf die Zwiebelkrise unerwartet hart reagiert: mit Razzien in Zwiebeldepots. In der Nähe von Ankara wurden dabei Tausende Tonnen Zwiebeln sichergestellt. Die Händler wurden beschuldigt, ihre Ware zu horten, um den Preis in die Höhe zu treiben. Dafür gebe es kein Pardon, liess Erdogan wissen. Regierungskritiker wenden ein, Zwiebeln würden immer nach der Ernte gelagert, kein Wunder, dass die Depots gerade voll sind.

Volkszorn mit Humor

Die Razzien sind nun auch Anlass für Witze: «Lass die Zwiebel nicht weinen», twitterte der linke Oppositionsführer Kemal Kiliçdaroglu. Und Meral Aksener, Chefin der rechten Iyi-Partei, auch in der Opposition, sagte zu den Durchsuchungen, niemand glaube mehr das «Märchen» von einem Angriff «fremder Mächte» auf die türkische Wirtschaft, deshalb habe die Regierung die «Zwiebel-Terror-Organisation» erfunden. Der derbe Scherz wurde auf Twitter, wo der Volkszorn in der Türkei gern in Humor gegossen wird, dankbar aufgenommen. «Ich habe mehr als 3 Kilo Zwiebeln zu Hause, muss ich mit 7,5 Jahren Haft rechnen?», fragte ein Twitterer. Ein anderer empfahl Razzien in den Kohle- oder Kartoffeldepots, schliesslich seien auch die Preise dieser Produkte stark gestiegen.

«Mit Brot und Zwiebeln aufwachsen», ist eine türkische Redewendung für eine Kindheit in Armut. Beim türkischen Militär sollen sie früher Rekruten eine Zwiebel auf die linke Schulter gelegt haben und Knoblauch auf die rechte, wenn sie nicht zwischen rechts und links unterscheiden konnten. Das mag eine Legende sein, aber sie hält sich hartnäckig.

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