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Offene Wunden ein Jahr nach dem «Totentanz»

Mehr als 3000 Zeugen hat die Polizei vernommen, gegen 16 Beschuldigte wird ermittelt. Doch auch ein Jahr nach der Tragödie bei der Duisburger Loveparade ist die Schuldfrage noch nicht eindeutig beantwortet.

Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt: Der Entwurf eines Stahlreliefs des Künstlers Jürgen Meister, das zum Gedenken an die 21 Opfer der Loveparade in der Nähe der Unglücksstelle in Duisburg aufgestellt werden soll. (20. Dezember 10)
Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt: Der Entwurf eines Stahlreliefs des Künstlers Jürgen Meister, das zum Gedenken an die 21 Opfer der Loveparade in der Nähe der Unglücksstelle in Duisburg aufgestellt werden soll. (20. Dezember 10)
Keystone
Am 1. Juni 2011 wurde bekannt, dass sich der Anfangsverdacht bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Duisburg zum Loveparade-Drama bestätigt hat.
Am 1. Juni 2011 wurde bekannt, dass sich der Anfangsverdacht bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Duisburg zum Loveparade-Drama bestätigt hat.
Keystone
Die Polizei war mit 1200 Beamten vor Ort.
Die Polizei war mit 1200 Beamten vor Ort.
Keystone
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«Die Ermittlungen werden noch einige Monate dauern», schätzt der Duisburger Oberstaatsanwalt Rolf Haferkamp. Klar scheint bisher lediglich, dass Verantwortliche fahrlässig gehandelt haben bei der Loveparade-Katastrophe am 24. Juli 2010 – und dass die so furchtbar aus dem Ruder gelaufene Techno-Veranstaltung auf einem eingezäunten alten Bahnhofsgelände nicht genehmigt werden durfte.

21 Tote, mehr als 500 Verletzte – so lautete die erschütternde Bilanz der Massenpanik, die am Sonntag vor einem Jahr am einzigen Zugangstunnel zum Veranstaltungsgelände ausbrach. «Die Loveparade wurde zum Totentanz», sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, bei der Trauerfeier für die Opfer.

Schon in den ersten Tagen nach dem Unglück weigerten sich alle Beteiligten beharrlich, eine Mitschuld an dem Desaster zuzugeben. Stattdessen verwiesen Stadt, Veranstalter und Polizei auf angebliche Versäumnisse des jeweils anderen.

Sauerlands späte Entschuldigung

Ein Jahr nach der Tragödie wird nun gegen elf Mitarbeiter der Stadt, vier des Veranstalters und einen Polizisten ermittelt – wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung.

Die Staatsanwaltschaft sieht unter anderem Anhaltspunkte, dass Mitarbeiter zweier städtischer Ämter ihren Verpflichtungen zur Prüfung des Sicherheitskonzepts und der Einhaltung von Auflagen nicht nachgekommen sind. CDU-Oberbürgermeister Adolf Sauerland zählt nicht zu den Beschuldigten.

Trotzdem steht das Stadtoberhaupt seit dem Katastrophe massiv unter Druck: Kritiker fordern vehement seinen Rücktritt und werfen ihm vor, viel zu lange die Übernahme moralischer Verantwortung verweigert zu haben. Sauerland, für dessen Abwahl Duisburger Bürger derzeit Unterschriften sammeln, entschuldigte sich erst in vergangene Woche öffentlich bei den Opfern.

Grosse Trauerfeier am Sonntag

Genau ein Jahr nach dem Unglück soll am kommenden Sonntagnachmittag im Duisburger Fussballstadion die zentrale Trauerfeier stattfinden. «Wir möchten mit dieser Gedenkfeier die Angehörigen der Todesopfer, die zahlreichen Verletzten, aber auch die vielen Duisburger Bürger erreichen, die über die Ereignisse nicht hinwegkommen», sagte der Leiter der Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Für das Programm bedeutet dies: Vor den Teilnehmern der Gedenkfeier werden unter anderem eine Hinterbliebene aus Italien, eine bei dem Unglück Verletzte und ein Rettungssanitäter an die Ereignisse vor einem Jahr erinnern.

Die Ministerpräsidentin des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft (SPD), wird bei der Feier eine der Fürbitten sprechen. Auf Wunsch der Betroffenen wird zudem der Sänger der Band «Unheilig» das Lied «Geboren um zu leben» singen. Zuvor sollen die Namen der Todesopfern verlesen werden.

SDA/rub

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