«Wenn das alles stimmt, ist das wirklich schrecklich»

Die Ermittlungen in einem der grössten Abhörskandale fördern immer mehr schockierende Details zutage. Scotland Yard hat nun weitere Opfer der englischen Boulevardzeitung «News of the World» identifiziert.

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Rund um den britischen Handy-Abhörskandal kommen immer mehr Details ans Licht. Schon als gestern bekannt wurde, dass das britische Boulevardblatt «News of the World» nicht nur die Handy-Leitungen von Prominenten bespitzelt haben soll, sondern auch diejenige eines vermissten Mädchens, war der Aufschrei gross.

David Cameron, der britische Premier, zeigte sich schockiert: «Falls das wirklich alles stimmt, dann ist das schrecklich und unentschuldbar.» Die Polizei müsse die Sache «mit dem grösstmöglichen Nachdruck untersuchen», sagte Cameron.

Was nun bekannt wurde, dürfte die Gemüter weiter erhitzen. Wie der «Guardian» berichtet, sollen die Journalisten der «News of the World» die Opferfamilien der Londoner Bombenanschläge vom 7. Juli 2005 ausspioniert haben. Mithilfe des Privatdetektivs Glenn Mulcaire soll die Zeitung die Handys der Angehörigen angezapft haben.

Von Scotland Yard kontaktiert

Graham Foulkes, Vater eines Opfers, bestätigte gegenüber dem «Guardian» den Vorfall: «Ja, ich wurde gestern von Scotland Yard kontaktiert.» Die Londoner Stadtpolizei teilte ihm mit, dass seine Handy- und Festnetznummer sowie seine private Adresse in der Datenbank des Privatdetektivs gefunden worden sei.

Dies ist nur das neuste Kapitel in einem der grössten Abhörskandale in der Geschichte Englands. Gestern wurde bekannt, dass das Boulevardblatt illegal die Handy-Mailbox eines verschwundenen und später tot aufgefundenen Mädchens abgehört hatte.

Mailbox abgehört

Journalisten des Blattes hörten die Mailbox der 13-Jährigen ab, auf der Eltern und Verwandte immer verzweifeltere Nachrichten hinterliessen. Als die Mailbox voll war, löschten die Journalisten laut Medienberichten sogar einige Nachrichten, um Platz für neue zu schaffen.

Die Eltern und die Polizei hatten dies damals als Zeichen gewertet, dass das auf dem Heimweg von der Schule in der Nähe von London verschwundene Mädchen noch am Leben sei und sein Handy nutze. Die Leiche der 13-Jährigen wurde sechs Monate später in einem Wald gefunden. Ihr Mörder wurde vergangenen Monat verurteilt.

Auch Prominente bespitzelt

Die zum Murdoch-Konzern News International gehörende «News of the World» steht im Mittelpunkt eines Abhörskandals, der seit Jahren Grossbritannien erschüttert. Das Blatt soll die Telefone von Prominenten wie beispielsweise Sienna Miller und Mitgliedern des Königshauses angezapft haben, um so zu Storys über ihr Privatleben zu kommen.

Wegen der illegalen Aktionen wurden 2007 bereits ein Journalist und ein Privatermittler verurteilt. Weitere Ermittlungen laufen noch, bei ihnen wurde nun laut Medienberichten der Fall um das 13-jährige Mädchen entdeckt.

mrs

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