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Moskau und London liefern sich Schlagabtausch im UN-Sicherheitsrat

Grossbritannien zettle im Fall Skripal einen «Propaganda-Krieg» gegen sein Land an, so der russische UNO-Botschafter. Die Briten verteidigten ihr Vorgehen.

Heftige Vorwürfe: Der russische Uno-Botschafter Wassili Nebensia sprach im Fall des vergifteten russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal von einem «absurden Theater».
Heftige Vorwürfe: Der russische Uno-Botschafter Wassili Nebensia sprach im Fall des vergifteten russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal von einem «absurden Theater».
Mary Altaffer, Keystone
Die britische Uno-Botschafterin Karen Pierce entgegnete, London habe vollkommen im Einklang mit internationalen Konventionen gehandelt.
Die britische Uno-Botschafterin Karen Pierce entgegnete, London habe vollkommen im Einklang mit internationalen Konventionen gehandelt.
Mary Altaffer, Keystone
Der Uno-Sicherheitsrat trat auf Antrag Russlands im Uno-Hauptquartier zusammen. (5. April 2018)
Der Uno-Sicherheitsrat trat auf Antrag Russlands im Uno-Hauptquartier zusammen. (5. April 2018)
Mary Altaffer, Keystone
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In der Affäre um den vergifteten russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal sind Russland und Grossbritannien im Uno-Sicherheitsrat heftig aneinander geraten. Der russische Uno-Botschafter Wassili Nebensia sprach von einem «absurden Theater». Die Regierung in London spiele mit dem Feuer, wenn sie Russland vorwerfe, hinter dem Anschlag auf Skripal und seine Tochter zu stehen, sagte Nebensia am Donnerstag. Es werde ihr leid tun.

Russland, auf dessen Antrag der Uno-Sicherheitsrat zusammentrat, wehrt sich gegen den Vorwurf des Westens, hinter dem Angriff auf Skripal und dessen Tochter zu stecken. «Hätten Sie nicht eine bessere erfundene Geschichte präsentieren können?», fragte Nebensia.

Grossbritannien wehrt sich

Der russische Uno-Botschafter sprach von einem «Propaganda-Krieg», der gegen sein Land angezettelt werde. Ziel sei es, Russland «zu diskreditieren und zu delegitimisieren». Mit Blick auf den Propagandaminister im nationalsozialistischen Deutschland sprach Nebensia von «Goebbels-Methoden».

Grossbritannien verteidigte dagegen sein Vorgehen. Britische Polizisten hätten das Nervengift an der Tür von Skripals Haus in Salisbury sichergestellt. «Wir glauben, dass das britische Vorgehen jeder Untersuchung standhält. Wir haben nichts zu verstecken ... aber ich befürchte, dass Russland etwas zu befürchten haben könnte», sagte die britische Uno-Botschafterin Karen Pierce.

Der vergiftete ehemalige russische Doppelagent Sergei Skripal durfte nach mehr als zwei Monaten nach der Giftattacke das Salisbury District Hospital verlassen.
Der vergiftete ehemalige russische Doppelagent Sergei Skripal durfte nach mehr als zwei Monaten nach der Giftattacke das Salisbury District Hospital verlassen.
Keystone
Sergei Skripal und seine Tochter Julia wurden am 4. März im südenglischen Salisbury vergiftet. Jetzt sollen britische Experten ein Nervengift-Labor gefunden haben.
Sergei Skripal und seine Tochter Julia wurden am 4. März im südenglischen Salisbury vergiftet. Jetzt sollen britische Experten ein Nervengift-Labor gefunden haben.
Chris J Ratcliffe, AFP
Daneben befindet sich auch die Ruhestätte von Alexander Skripal, dem Sohn des angegriffenen Ex-Spions.
Daneben befindet sich auch die Ruhestätte von Alexander Skripal, dem Sohn des angegriffenen Ex-Spions.
Matt Dunham, Keystone
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Pierce sagte weiter, London habe vollkommen im Einklang mit internationalen Konventionen gehandelt. Ihr Land lasse «sich nicht in Sachen Moral oder hinsichtlich unserer Verantwortung von einem Land belehren, das so viel getan hat, um die angemessene Aufklärung von Chemiewaffen-Einsätzen in Syrien zu verhindern».

Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März im englischen Salisbury vergiftet worden. Die britische Regierung macht Moskau für den Giftanschlag verantwortlich; Russland weist jede Verantwortung zurück.

Bericht: Russisches Militärlabor identifiziert

Einem Zeitungsbericht zufolge hat der britische Geheimdienst ein russisches Militär-Forschungslabor als Quelle des Giftes identifiziert. Die Zeitung «Times of London» berief sich auf ein Treffen des britischen Geheimdienstes mit Verbündeten. Dabei hätten die Geheimdienstler erklärt, das Gift Nowitschok sei in einer Militäreinrichtung im Südwesten Russlands produziert worden, hiess es in dem Bericht.

Der Fall hat zu der schwersten diplomatischen Krise zwischen Russland und Grossbritannien sowie zahlreichen weiteren westlichen Staaten seit dem Kalten Krieg geführt. Viele westliche Staaten wiesen russische Diplomaten aus, worauf Russland ebenfalls mit Ausweisungen reagierte. Die Sitzung des Uno-Sicherheitsrats am Donnerstag wurde von Russland beantragt.

SDA/scl

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