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Moskau erstickt im Smog – berühmt-berüchtigte Atomanlage in Sarow geräumt

Brütende Hitze und der Rauch von mehr als 900 Bränden lasten schwer auf der Stadt – die Anwohner kämpfen mit Atembeschwerden und Allergien. Redaktion Tamedia zeigt Webcam-Bilder aus Moskau.

Wegen der heranrückenden Waldbrände hat Russland alles radioaktive Material aus seiner berühmt-berüchtigten Atomanlage in Sarow abgezogen. Es bestehe damit kein Risiko eines atomaren Unfalls mehr in dem etwa 500 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Komplex, betonte am Mittwoch der Chef der russischen Atomenergiebehörde Rosatom, Sergej Kirjenko.

Laut der Umweltschutzorganisation WWF lodern in ganz Russland mehr als 7000 Brände. Alle radioaktiven und explosiven Materialien seien aus Sarow abgezogen worden, sagte Kirjenko nach Angaben der russischen Nachrichtenagenturen bei einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates. Dadurch bestehe kein Risiko eines atomaren Unfalls mehr, selbst wenn das Feuer Sarow erreiche. "Man kann garantieren, dass selbst im Falle einer Extremsituation ... kein Risiko für die atomare Sicherheit besteht."

Mehrere ranghohe Offiziere entlassen

Die Anlage in Sarow, bekannt unter dem Tarnnamen Arsamas-16, wurde unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg als geheimes Atomwaffen-Forschungszentrum errichtet. In ihm werden noch immer russische Atomwaffen gebaut. Die Flammen befanden sich am Mittwoch etwa vier Kilometer vor den ersten Einrichtungen des Riesenkomplexes.

Bereits zerstört wurde von den Flammen ein Marine-Nachschubzentrum in Kolomna südöstlich von Moskau, was nun personelle Konsequenzen hat: Präsident Dmitri Medwedew entliess mehrere ranghohe Offiziere "wegen disziplinarrechtlicher Verstösse". Ferner habe er Marine-Oberbefehlshaber Wladimir Wysozki und dessen Stellvertreter Alexander Tatarinow formell verwarnt, weil sie ihrer professionellen Verantwortung teilweise nicht gerecht geworden seien, sagte der Staatschef in einer Fernsehansprache.

"Wenn etwas Ähnliches andernorts passiert, werde ich ohne Gnade auf die gleiche Art verfahren", warnte Medwedew. Der Präsident unterbrach für die Krisensitzung des Nationalen Sicherheitsrates seinen Urlaub.

«Hier rächen sich die Fehler»

Wegen der Brände starben bisher 48 Menschen, wie das Ministerium für Katastrophenschutz mitteilte. Der Rauch der Waldbrände rings um Moskau zog am Mittwoch sogar bis in die U-Bahn der russischen Hauptstadt. Fahrgäste der versuchten, sich mit feuchten Tüchern vor Nase und Mund zu schützen. Dichter Smog lag über den Strassen, die Dächer der vielen Hochhäuser aus Stalins Zeiten waren nicht mehr zu sehen.

Nach WWF-Angaben lodern derzeit mehr als 7000 Waldbrände rund um Moskau und im russischen Fernen Osten. "Daran ist nicht allein die aktuelle Hitzewelle Schuld", betonte der Wald-Experte Aurel Heidelberg. Eine mangelhafte Vorsorge und ein miserables Waldmanagement seien die Hauptursachen für die Brandkatastrophen. "Hier rächen sich die Fehler aus den vergangenen Jahrzehnten", erklärte der WWF. Illegaler Holzeinschlag, die Übernutzung der Wälder und grossflächiger Kahlschlag hätten zu der aktuellen Lage massgeblich beigetragen.

dapd/oku

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