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Momentaufnahmen des Zerfalls

Einmal die Schweiz, einmal Griechenland: Wer hat die besseren Politiker? Ein Kommentar

Vorbild für die Schweiz? Giannis Varoufakis (rechts) im Gespräch mit Jeroen Dijsselbloem.
Vorbild für die Schweiz? Giannis Varoufakis (rechts) im Gespräch mit Jeroen Dijsselbloem.
Keystone

Es hatte etwas Verstörendes, zuzusehen, wie ein alter Mann, der als Alkoholiker gilt und Kettenraucher ist, eine jüngere, etwas schüchterne Frau auf offener Bühne vor den Kameras der Welt küsst, nein, sie in einer Art und Weise ableckt, dass man von sexueller Belästigung gesprochen hätte, wäre der aufdringliche Alte nicht der Präsident der Europäischen Kommission gewesen, Jean-Claude Juncker, und die schüchterne, mädchenhafte Frau nicht die Bundespräsidentin der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Simonetta Sommaruga. Es tat weh. Kein Bild hat in den vergangenen Jahren vielleicht besser die merkwürdig defensive Beziehung illustriert, die unsere Regierung zur Europäischen Union pflegt: Man lässt sich bedrängen, man lässt sich wenn nötig demütigen – und statt sich zu wehren oder die Zumutungen des Partners ins Leere laufen zu lassen, lächelt man gequält wie Sommaruga und bittet die aufgebrachten Beobachter um Nachsicht, als handelte es sich beim Belästiger um einen sonst lieben Onkel, der einem nur Gutes tut.

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