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Mit einer Rede schrieb von Weizsäcker Geschichte

Mit seiner Präsidentschaft setzte Richard von Weizsäcker den Massstab für das Amt. Er lehrte Deutschland, die Kapitulation des NS-Regimes am 8. Mai 1945 als Befreiung zu begreifen.

Redner mit dem Sinn für das bedeutende Wort zur rechten Zeit, Meister des selbstbewussten Understatements – und in zehn Jahren nicht ein einziges Ärgernis: Richard von Weizsäcker bittet die Bundestagsabgeordneten nach seiner Abschiedsrede ihren Applaus zu beenden. (1. Juli 1994)
Redner mit dem Sinn für das bedeutende Wort zur rechten Zeit, Meister des selbstbewussten Understatements – und in zehn Jahren nicht ein einziges Ärgernis: Richard von Weizsäcker bittet die Bundestagsabgeordneten nach seiner Abschiedsrede ihren Applaus zu beenden. (1. Juli 1994)
Lutz Schmidt, Reuters
Der verstorbene CDU-Politiker Richard von Weizsäcker war von 1984 bis 1994 der sechste Bundespräsident der BRD: Hier trifft von Weizsäcker auf den ehemaligen israelischen Premierminister Shimon Peres und den Dalai Lama an einer Konferenz in Prag 1997. (03.09.1997)
Der verstorbene CDU-Politiker Richard von Weizsäcker war von 1984 bis 1994 der sechste Bundespräsident der BRD: Hier trifft von Weizsäcker auf den ehemaligen israelischen Premierminister Shimon Peres und den Dalai Lama an einer Konferenz in Prag 1997. (03.09.1997)
Thomas Turek, Keystone
«Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 [Machtergreifung Hitlers] trennen.»: Von Weizsäcker an der Beerdigung von Hannelore «Loki» Schmidt, der Frau des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt in Hamburg. (1.11. 2010)
«Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 [Machtergreifung Hitlers] trennen.»: Von Weizsäcker an der Beerdigung von Hannelore «Loki» Schmidt, der Frau des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt in Hamburg. (1.11. 2010)
Marcus Brandt, Reuters
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Das Amt des Bundespräsidenten, so verstanden die Grundgesetzväter die Lehre aus der Katastrophe der ersten deutschen Republik, prägt bisher jeden Amtsinhaber mehr, als dass es von ihm geprägt wird. Von allen Staatsoberhäuptern aber hat keiner so wie Richard von Weizsäcker in seinem Jahrzehnt von 1984 bis 1994 dem Amt Stil und Form verliehen – und das projiziert, was die Deutschen von einem Bundespräsidenten erwarten: in der äusseren Erscheinung ein Gentleman, weltgewandt im Auftreten, ein guter Zuhörer mit Sinn für Ironie, geschichtsbewusst, ohne den obersten Geschichtslehrer der Nation zu spielen. Ein Politiker auf Abstand zur Politik, den Parteitaktiken, die er doch beherrschen muss, scheinbar enthoben. Redner mit dem Sinn für das bedeutende Wort zur rechten Zeit, Meister des selbstbewussten Understatements – und in zehn Jahren nicht ein einziges Ärgernis.

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