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Merkel und Hollande duzen sich nun

Berlin und Paris begehen den 50. Jahrestag des Elysée-Vertrags mit symbolträchtigem Treffen. In Sachen Freundschaft gingen Angela Merkel und François Hollande beim gemeinsamen Dinner beispielhaft voran.

«Der Strom zwischen uns fliesst, ohne dass es dazu Elektrizität braucht»: Angela Merkel und Francois Hollande im Bundestag. (22. Januar 2013)
«Der Strom zwischen uns fliesst, ohne dass es dazu Elektrizität braucht»: Angela Merkel und Francois Hollande im Bundestag. (22. Januar 2013)
Reuters
Neue Etappe in den Beziehungen: Francois Hollande wendet sich während der deutsch-französischen Sitzung im Bundestag an die Vertreter beider Länder. (22. Januar 2012)
Neue Etappe in den Beziehungen: Francois Hollande wendet sich während der deutsch-französischen Sitzung im Bundestag an die Vertreter beider Länder. (22. Januar 2012)
AFP
«Eines ist wichtig: dass wir uns nicht im Stich lassen»: Der französische Präsident François Hollande und Kanzlerin Angela Merkel in Berlin. (22. Januar 2013)
«Eines ist wichtig: dass wir uns nicht im Stich lassen»: Der französische Präsident François Hollande und Kanzlerin Angela Merkel in Berlin. (22. Januar 2013)
Keystone
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Deutschland und Frankreich haben mit einer gemeinsame Sitzung ihrer Parlamente in Berlin den 50. Jahrestag der Unterzeichnung des Elysée-Vertrages gefeiert. Der deutsche Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte zum Auftakt, damals habe nicht nur eine neue Etappe in den Beziehungen beider Länder begonnen. Vielmehr sei die deutsch-französische Verständigung auch für die Zukunft ganz Europas unverzichtbar.

Pünktlich zum 50-jährigen Vertrags-Jubiläum sind die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident François Hollande nun auch Duzfreunde. Die CDU-Vorsitzende bot dem gleichaltrigen Sozialisten – beide 58 – bei einem Essen im Berliner Restaurant «Lutter und Wegner» das Du an, wie Teilnehmer berichteten. Hollande nahm sofort an.

Bei einer Pressekonferenz im Kanzleramt leitete Merkel dann bereits weiter: «Du hast das Wort.» Seit längerer Zeit reden sich die beiden schon mit Vornamen an. Angesichts der Berichte über angeblich immer noch unterkühlte Beziehungen sagte Merkel: «Es ist ja vielleicht unser bestgehütetes Geheimnis, dass die Chemie stimmt.» Der französische Präsident fügte hinzu: «Der Strom zwischen uns fliesst, ohne dass es dazu Elektrizität braucht.»

Gemeinsame Verteidigungspolitik

Zum Auftakt der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum des Elysée-Vertrags haben die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande die Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft betont. Mit dem Elysée-Vertrag – benannt nach dem französischen Präsidialamt, wo er unterzeichnet wurde – hatten beide Länder am 22. Januar 1963 die Grundlage für ihre Partnerschaft gelegt.

Die Regierungen von Deutschland und Frankreich wollen sich künftig noch enger abstimmen. Anlässlich des Festivitäten verständigte sich der Ministerrat beider Länder in Berlin auf eine 75 Punkte umfassende Agenda.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte auf einer Pressekonferenz mit Frankreichs Präsident François Hollande, beim Vorgehen gegen die europäische Schuldenkrise solle die Zusammenarbeit verstärkt werden. Es werde bis Mai gemeinsame Vorschläge zur Vorbereitung des Europarates im Juni geben. Beide Länder seien sich ihrer Verantwortung bei der Überwindung der Krise bewusst. Ziel sei es, wirtschaftliche Stärke und Wettbewerbsfähigkeit mit sozialem Zusammenhalt zu verbinden.

Merkel erklärte, man werde die Sozialpartner in beiden Ländern um Mitarbeit an diesem Projekt bitten. Auch werde es verstärkte Initiativen im Energiebereich und im Umweltschutz geben, besonders bei den erneuerbaren Energien. Hier werde man ein «neues Kapitel unserer Beziehungen» aufschlagen können.

«Beide Länder mit Leben erfüllen»

Hollande dankte Merkel für den «herzlichen Empfang» in Deutschland. Er fügte hinzu, die Freundschaft beider Länder müsse mit Leben erfüllt und Europa weiter vorangebracht werden.

Am 22. Januar 1963 hatten der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle in Paris den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag unterzeichnet. Der Elysée-Vertrag bereitete der dauerhaften Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen den Weg und bildet bis heute eine wichtige Grundlage für die Beziehungen beider Staaten.

Gegenseitige Sympathie

In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov nannten 58 Prozent der Deutschen die Franzosen als den wichtigsten strategischen Partner in Europa. Umgekehrt sind es 75 Prozent.

Auf die Frage an die Deutschen, ob ihnen die französischen Nachbarn «sehr sympathisch» seien, antworteten 17 Prozent mit Ja, 39 Prozent fanden sie «eher sympathisch». Umgekehrt sagten nur acht Prozent der Franzosen, dass ihnen die Deutschen «sehr sympathisch» sind. 32 Prozent finden die Deutschen «eher sympathisch».

Le Pen verärgert

Mit scharfen Worten hat Marine Le Pen, Parteichefin der Front National (FN), die beherrschende Rolle der Bundesrepublik in Europa kritisiert. «Alles in allem ist es das deutsche Europa, das man uns heute auffordert zu feiern», schrieb sie in einer Mitteilung zum 50. Jahrestag des Elysée-Vertrags.

Die Sichtweise eines Landes werde Europa in allen Bereichen aufgezwungen, von der EU-Osterweiterung über den Euro bis zum Fiskalpakt. «Das Problem ist nicht Deutschland, das mit Recht seine nationalen Interessen verteidigt, sondern die französischen Eliten, die darauf verzichten, ihr eigenes Land zu verteidigen», schimpfte die Chefin der französischen Rechtsextremen. Das Ergebnis sei eine «systematische Unterwerfung Frankreichs unter Deutschland».

Den Elysée-Vertrag bezeichnete die FN-Chefin als «grossen Vertrag», der eine «fruchtbare Zusammenarbeit» zwischen Deutschland und Frankreich ermöglicht habe. Allerdings zeige die Reise französischer Regierungs-, Parlaments- und Oppositionsvertreter nach Berlin weniger den Willen zu feiern, sondern vielmehr «die Unterwerfung unter ein deutsches föderales Europa».

sda/dapd/kpn/rub

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