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«Mein Bruder, dieser Terrorist»

Attentate von Toulouse: Mohamed Merahs Bruder veröffentlicht ein Buch und beschuldigt darin die Eltern des Antisemitismus – insbesondere die Mutter. Ganz anders sieht seine Schwester die Morde.

«Er redete so oft von Gewalt, dass ihn am Ende niemand mehr ernst nahm»: Abdelghani Merah über seinen Bruder Mohamed im Interview des Senders M6. (Bild: Screenshot M6)
«Er redete so oft von Gewalt, dass ihn am Ende niemand mehr ernst nahm»: Abdelghani Merah über seinen Bruder Mohamed im Interview des Senders M6. (Bild: Screenshot M6)

Der für den Tod von sieben Menschen verantwortliche französische Islamist Mohamed Merah ist laut einem seiner Brüder von seiner eigenen Familie radikalisiert worden. In einem Buch schreibt Abdelghani Merah laut der Zeitung «Le Figaro», die Eltern – vor allem die Mutter – seien für Mohameds radikale Ansichten verantwortlich. Das Buch «Mein Bruder, dieser Terrorist» erscheint am Mittwoch, «Le Figaro» und andere Medien veröffentlichten einige Auszüge vorab.

Demnach habe sich der 36-jährige Abdelghani am Tag von Mohameds Beisetzung geschworen, der Welt zu erzählen, wie die Brüder mit antisemitischem Gedankengut aufgewachsen seien. «Ich werde schildern, wie meine Eltern dich in einer Atmosphäre des Rassismus und Hasses erzogen, bevor die Salafisten dich in religiösen Extremismus tauchen konnten», schreibt Abdelghani Merah, der älteste Sohn der Familie.

«Ich bin stolz, stolz, stolz»

Ähnlich äussert er sich in einem Interview im Rahmen einer Dokumentation, die heute Sonntag um 22.45 Uhr vom französischen Fernsehsender M6 ausgestrahlt wird. Darin sagt Abdelghani laut der Website RTL.be: «Meine Mutter hat immer gesagt: ‹Wir Araber wurden geboren, um Juden zu hassen.› Ich habe das meine gesamte Kindheit hindurch gehört.»

Während sich Abdelghani vom Rassismus distanziert und auch mit seiner Familie gebrochen hat, äussert sich die 24-jährige Schwester Souad weiterhin antisemitisch: «Ich hasse die Juden und alle, die Muslime massakrieren», sagt sie laut dem «Figaro» in der Dokumentation von M6. Ausserdem stehe sie hinter den Taten ihres Bruders Mohamed. «Ich bin stolz, stolz, stolz», schrie sie.

Ermittlungen gegen Bruder Abdelkader

Mohamed Merah tötete im März innerhalb von acht Tagen in Toulouse und Umgebung drei jüdische Kinder, einen Rabbiner und drei Fallschirmjäger. Nach eigener Aussage hatte er Verbindungen zur al-Qaida und wurde in einem paramilitärischen Lager von Islamisten in Pakistan ausgebildet. Bei der Stürmung seiner Wohnung durch die Polizei kam er schliesslich selbst ums Leben.

Die Mutter war zur Vernehmung in Gewahrsam genommen worden, wurde aber später wieder freigelassen. Der Vater ging nach Algerien, als die Kinder klein waren, und verklagte nach dem Tod Mohameds den französischen Staat. Gegen den 29-jährigen Abdelkader Merah, einen weiteren Bruder des Attentäters, laufen Ermittlungen. Er bestreitet eine Mittäterschaft.

In seinem Buch zweifelt Abdelghani an der Unschuld des mittleren Bruders und verweist auf dessen Rolle bei der Radikalisierung Mohameds. Gegenüber M6 sagt Abdelghani aber auch, Mohamed habe alle über seine Pläne getäuscht. Er habe so oft von Gewalt geredet, dass ihn am Ende niemand mehr ernst nahm.

dapd/rub

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