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Martine Aubry wegen fahrlässiger Tötung angeklagt

Gegen die frühere Arbeitsministerin Frankreichs und ehemalige Sozialistenchefin wird ein Ermittlungsverfahren eröffnet. Martine Aubry wird vorgeworfen, nicht genügend gegen asbestverseuchte Arbeitsplätze vorgegangen zu sein.

Gegen sie wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt: Ehemalige Sozialistenchefin Martine Aubry. (Archivbild)
Gegen sie wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt: Ehemalige Sozialistenchefin Martine Aubry. (Archivbild)
Reuters

In Frankreich steht die frühere Arbeitsministerin und ehemalige Sozialistenchefin Martine Aubry im Visier der Justizbehörden. Gegen Aubry wird im Zusammenhang mit asbestverseuchten Arbeitsplätzen wegen fahrlässiger Tötung und Verletzung ermittelt.

Die Eröffnung des Ermittlungsverfahrens ist Ergebnis von Aubrys Befragung durch die Untersuchungsrichterin Marie-Odile Bertella-Geffroy gestern in Paris. Die Befragung dauerte siebeneinhalb Stunden, wie Aubry am Abend mitteilte.

Für Sicherheit am Arbeitsplatz zuständig

Aubry war von 1984 bis 1987 als leitende Beamtin im Arbeitsministerium, an dessen Spitze sie später stand, unter anderem für die Sicherheit am Arbeitsplatz zuständig. Die französische Justiz prüft derzeit den Umgang der Behörden mit Asbest.

Martine Aubry war im September von ihrem Amt als Vorsitzende der Sozialistischen Partei zurückgetreten, kurz vor dem Ende ihrer Amtszeit Ende Oktober. Ihr Nachfolger Harlem Désir kritisierte die Vorladung von Aubrys als «schockierend und nicht nachvollziehbar».

«Ermittlungsverfahren ungerechtfertigt»

Martine Aubry hat das gegen sie eingeleitete Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit asbestverseuchten Arbeitsplätzen als ungerechtfertigt bezeichnet. «Nichts rechtfertigt, dass gegen mich ermittelt wird», sagte Aubry gestern Abend nach siebenstündigen Befragungen durch die Untersuchungsrichterin.

Sie habe immer alles getan, was den Regeln und Kontrollen nach dem damaligen Wissensstand entsprochen habe. Es sei falsch, dass die Justiz diejenigen «attackiere», die Arbeitnehmer geschützt hätten. Aubry kündigte an, ihr Anwalt werde das Ermittlungsverfahren anfechten.

In Frankreich seit 1997 verboten

Obwohl seit den 1950er-Jahren bekannt ist, dass Asbestteilchen Lungenkrebs auslösen können, wurde der Umgang mit diesem Werkstoff – der beispielsweise zur Isolierung von Gebäuden eingesetzt wurde – in Frankreich erst 1977 reglementiert. Erst 1997 erliess die französische Regierung ein Asbestverbot.

Wissenschaftlern zufolge sind zwischen zehn und 20 Prozent der Lungenkrebserkrankungen in Frankreich auf den Kontakt mit Asbest zurückzuführen.

In der Schweiz ist Asbest seit 1990 verboten. In vielen vor diesem Stichjahr gebauten Gebäuden ist das krebserregende Material verwendet worden. Eine asbestbedingte Berufskrankheit wurde in der Schweiz 1939 zum ersten Mal anerkannt.

sda/afp/chk

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