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IS-Miliz bekennt sich zu Messerangriff in London

Der britische Premierminister Boris Johnson hat nach dem zweiten Stichwaffenangriff binnen drei Monaten schärfere Gesetze angekündigt.

Die Tat hat sich im Stadtteil Streatham ereignet: Forensiker am Tatort. Bild: Alberto Pezzali, AP/Keystone
Die Tat hat sich im Stadtteil Streatham ereignet: Forensiker am Tatort. Bild: Alberto Pezzali, AP/Keystone

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat sich zu dem erneuten Stichwaffen-Angriff mit drei Verletzten in London bekannt. Die britische Polizei erhöhte unterdessen den Druck bei ihren Ermittlungen und durchsuchte Wohnungen in London und nördlich der Hauptstadt.

Ein offenbar erst kürzlich vorzeitig aus der Haft entlassener Islamist hatte am Sonntag in London Passanten mit einer Stichwaffe verletzt, bevor er von der Polizei erschossen wurde.

Die IS-Miliz teilte am Montag über ihre Propaganda-Plattform Amak mit, der Angreifer sei ein «IS-Kämpfer» gewesen. Er sei mit der Attacke einem Aufruf der Terrorgruppe gefolgt. Ziel sei es gewesen, Bürger von Staaten anzugreifen, die Mitglieder der internationalen Koalition gegen die Terrormiliz in Syrien und im Irak sind.

Die britische Polizei erklärte, sie setze die Ermittlungen zu dem Angriff «unter Hochdruck» fort. Anti-Terror-Einheiten durchsuchten demnach am Montag eine Wohnung im Süden der britischen Hauptstadt sowie in Bishop's Stortford nördlich von London. Dabei habe es keine Festnahmen gegeben.

Johnson will schärfere Gesetze

Auch die britische Regierung will Konsequenzen aus dem zweiten Stichwaffenangriff binnen drei Monaten ziehen (zum Bericht). Premierminister Boris Johnson sagte am Montag vor Geschäftsleuten und Diplomaten, verurteilte Terroristen dürften seiner Ansicht nach nicht automatisch früher aus dem Gefängnis entlassen werden. «Es ist an der Zeit zu handeln.»

Seine Geduld sei am Ende, sagte Johnson. Die Regierung werde entsprechende Gesetze vorlegen. Experten zufolge sei es sehr schwierig, Terroristen zu deradikalisieren. Geklärt werden müsse vor allem, wie die neuen Gesetze rückwirkend auf Terroristen angewendet werden könnten, die schon im Gefängnis sitzen. Nach Angaben von Justizminister Robert Buckland soll für das Vorhaben die Notstandsgesetzgebung angewandt werden.

Der Tatort in einer belebten Einkaufsstrasse im Stadtteil Streatham im Süden der britischen Hauptstadt war am Montagvormittag weiter abgesperrt. Dort hatte der Angreifer am frühen Sonntagnachmittag mit einer Stichwaffe Passanten angegriffen. Ein dabei verletzter Mann schwebte am Abend nach Polizeiangaben noch in Lebensgefahr. Eine Frau wurde demnach leichter verletzt. Eine weitere Frau sei vermutlich durch Glassplitter infolge des Polizei-Einsatzes leicht verletzt worden.

Unter besonderer Beobachtung

Ein Augenzeuge berichtete, der Angreifer sei mit einer Machete bewaffnet gewesen. An seiner Brust seien «silberne Kanister» befestigt gewesen. Am Abend bestätigte die Polizei, dass der Mann eine Sprengstoffgürtel-Attrappe getragen habe.

Mitglieder einer Anti-Terror-Einheit seien bei der Attacke «im Rahmen eines präventiven Einsatzes» vor Ort gewesen. Die Polizei bestätigte damit offenbar Angaben britischer Medien, wonach der getötete Mann unter Überwachung stand.

Er sei 2018 im Alter von 18 Jahren unter anderem wegen der Verbreitung islamistischer Propaganda verurteilt worden, berichtete die Zeitung «The Guardian». Laut dem Sender SkyNews kam er im Januar nach Verbüssung etwa der Hälfte einer rund dreijährigen Haftstrafe frei.

Die britische Hauptstadt war in den vergangenen Jahren mehrfach von islamistischen Anschlägen erschüttert worden. Ende November erstach ein Angreifer auf der London Bridge zwei Menschen und verletzte mehrere weitere, bevor er von Polizisten erschossen wurde.

Die IS-Miliz reklamierte auch diese Messerattacke für sich. Der Angreifer, der 28-jährige Brite Usman Khan, war bereits 2012 wegen einer terroristischen Straftat verurteilt worden und ebenfalls vorzeitig frei gekommen.

sda/reuters/red

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