Mama und Papa sind nicht mehr erwünscht

Die SPD sieht «dringliche» Probleme, die für eine Mehrheit der Wähler kein Thema sind. So machen sich die deutschen Sozialdemokraten endgültig überflüssig.

Fröhlich in den Untergang: SPD-Familienministerin Franziska Giffey will «Mama» und «Papa» verbannen.

Fröhlich in den Untergang: SPD-Familienministerin Franziska Giffey will «Mama» und «Papa» verbannen.

(Bild: Keystone)

Sebastian Briellmann

Es ist durchaus bemerkenswert, wie die SPD ihrem Niedergang nicht nur völlig desillusioniert begegnet, sondern diesen mit einer selten gesehenen Selbstdemontage noch weiter befeuert. Die Sozialdemokraten haben das rare Talent, selbst politische Erfolge, mögen es auch kleine sein, in einer Art mitzuteilen, dass selbst diese Errungenschaften am Ende wie eine krachende Niederlage daherkommen. Das führt so weit, dass in diesen tristen Zeiten sogar politische Gegner glaubhaft ihr Mitleid bekunden.

Es ist, natürlich, nicht nur kommunikatives Versagen, das die einst so stolze, und ja, auch wichtige linke Volkspartei ins Verderben geführt hat. Es ist befremdlich, unbegreiflich gar, welche Agenda die Spitzenkräfte der SPD verfolgen, welche Themen sie für wichtig halten und welche sie sträflich vernachlässigen. Dabei reichte doch bereits ein scheuer Blick nach Dänemark, wo die Sozialdemokraten ­wieder triumphieren – weil die Skandinavier begriffen haben, dass zum Beispiel das Thema Migration nicht ignoriert werden sollte; oder, und das ist noch verwegener, nicht blind vor Multikultiobsession als grosser Segen verkauft werden dürfte.

Aber was kümmert das die deutschen Sozialdemokraten; was kümmert es sie, dass sie, brutal marginalisiert, in der letzten Umfrage sogar hinter die AfD abgerutscht, eher abgestürzt sind? Was kümmert es sie, wenn sie immer noch unverrückbar der Meinung sind, ihre Ideen seien am Puls der Zeit und von ungeheurer Wichtigkeit?

Eher ist es so, als herrsche bei den Wählern die Meinung vor, dass die SPD selbst nicht mehr erwünscht ist.

Für Franziska Giffey, immerhin Familienministerin, ist so ein super dring­liches Politikum etwa das von ihrem Departement ins Leben gerufene Portal «Regenbogenfarben» – eine Seite für LSBTI-Themen, verständlich und detailliert aufbereitet. LSBTI sind «lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Personen», wie das Ministerium mitteilt. Dass es für Menschen, die sich einer dieser Kategorien zugehörig fühlen, eine solche Plattform gibt: Dagegen ist nichts einzuwenden. Wenn aber unter anderem Lehrern geraten wird, dass auf Formularen nicht mehr von «Mutter» oder «Vater» die Rede sein soll, sondern von «Elternteil 1» und «Elternteil 2», ist das nicht eine rücksichtsvolle «geschlechterneutrale Formulierung». Es ist völliger Gugus.

Es ist auch realitätsfern, ja arrogant, wenn die SPD denkt, dass eine Mehrheit der Überzeugung ist, dass Mama und Papa als Begriffe ausgedient hätten, dies gar ein dringliches Problem sei. Eher ist es so, als herrsche bei den Wählern die Meinung vor, dass die SPD selbst nicht mehr erwünscht ist. Wer kann es ihnen verdenken?

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