Zum Hauptinhalt springen

Londons oberster Polizist tritt zurück – Zeitungschefin gegen Kaution frei

Nach nur zwölf Stunden in Haft ist Rebekah Brooks wieder auf freiem Fuss. Der Chef der Metropolitan Police reagierte unterdessen auf Vorwürfe, in den Abhörskandal verwickelt zu sein, und nimmt den Hut.

Protest nach der Veröffentlichung der Resultate der Untersuchungskommission: Ein als Rupert Murdoch verkleideter Demonstrant wirft Seiten des Leveson Berichts ins «Feuer ». (29. Juni 2012)
Protest nach der Veröffentlichung der Resultate der Untersuchungskommission: Ein als Rupert Murdoch verkleideter Demonstrant wirft Seiten des Leveson Berichts ins «Feuer ». (29. Juni 2012)
AP Photo/Sang Tan, Keystone
Vorsitzender der Untersuchungskommission: Richter Sir Brian Leveson. (28. Juli 2011)
Vorsitzender der Untersuchungskommission: Richter Sir Brian Leveson. (28. Juli 2011)
SEAN DEMPSEY, AFP
Liess Opferfamilien und Prominente bespitzeln: Logo der «News of the World».
Liess Opferfamilien und Prominente bespitzeln: Logo der «News of the World».
Keystone
1 / 22

Der britische Abhörskandal rückt immer näher an den Medienunternehmer Rupert Murdoch und die britische Polizei heran. Unterdessen trat auch der Londoner Polizeichef Paul Stephenson wegen seiner Verbindung zu einem in den Skandal verwickelten Journalisten zurück. Zuvor war bereits Murdochs Vertraute Rebekah Brooks – Ex-Chefin der britischen Zeitungssparte von Murdochs Konzern News Corp. – gestern festgenommen und von der Polizei verhört worden. Sowohl Brooks als auch Stephenson bestritten ein Fehlverhalten.

Brooks wurde nach rund zwölf Stunden in Gewahrsam gegen Kaution freigelassen, wie Scotland Yard in der Nacht zum Montag bekannt gab. Die 43-Jährige ist die ehemalige Chefin von News International, der britischen Zeitungssparte von News Corp. Sie stand unter dem Verdacht auf Korruption und Verschwörung zum Abhören von Gesprächen.

Journalist als PR-Berater

Auch die britische Polizei gerät im Zusammenhang mit dem Abhörskandal zunehmend unter Druck. Stephenson, dem bisherigen Chef der Londoner Metropolitan Police, wurde vorgeworfen, den vorige Woche im Zuge des Skandals festgenommenen ehemaligen «News of the World»-Journalisten Neil Wallis ein Jahr lang bis September 2010 als PR-Berater beschäftigt zu haben. Die Zeitung «News of the World» wurde inzwischen eingestellt.

Stephenson erklärte, er habe nicht über die Einstellung Wallis' entschieden und habe auch nichts von dessen Verstrickung in das Abhören von Mobiltelefonen gewusst. «Meine persönliche Integrität macht mir keine schlaflosen Nächte», sagte er.

Fragen an die Regierung

Brooks gilt nicht nur als enge Vertraute Murdochs, sie ass an Weihnachten mit dem britischen Premierminister David Cameron zu Abend. Dessen konservative Regierung sieht sich nun zunehmend Fragen über ihre Beziehung zum Medienimperium Murdochs ausgesetzt.

Mit der Festnahme Brooks' rückten die polizeilichen Ermittlungen zur Abhöraffäre erstmals in den inneren Kreis des Medienmoguls. Möglicherweise könnten als Nächstes auch Les Hinton, der am Freitag zurückgetretene Vorstandschef des zur News Corp. gehörenden US-Verlags Dow Jones & Company, und Murdochs 38-jähriger Sohn, James Murdoch, ins Visier der Ermittler geraten. Hinton war zwölf Jahre für News International verantwortlich. James Murdoch leitet die Geschäfte der News Corp. in Europa und Asien. Der 38-Jährige genehmigte Zahlungen an einige der bekanntesten Opfer der Abhöraktionen der «News of the World».

Murdoch und Sohn vor parlamentarischem Ausschuss

Rupert und James Murdoch sollten am Dienstag vor einem Ausschuss des britischen Parlaments aussagen. Ursprünglich wollte auch Brooks aussagen, allerdings war nach ihrer Festnahme und Befragung durch die Polizei unklar, ob sie sich den Fragen der Abgeordneten stellen würde. Die Aussage der Murdochs vor dem parlamentarischen Ausschuss sollte im Fernsehen übertragen werden.

Den 80-jährigen Rupert Murdoch hat der Abhörskandal nicht nur eine Zeitung – die «News of the World» – gekostet. Er musste auch sein Angebot zur Übernahme des Fernsehsenders British Sky Broadcasting (BSkyB) zurückziehen. Inzwischen ermittelt auch die US-Bundespolizei FBI gegen Murdochs Konzern, um herauszufinden, ob Journalisten der News Corp. die Telefone von Opfern der Terroranschläge vom 11. September oder deren Angehörigen anzapften.

dapd/rub

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch