Zum Hauptinhalt springen

Londoner Regierung schränkt die Zuwanderung stark ein

Nur noch gut qualifizierte und Englisch sprechende Arbeitskräfte sollen ins Land kommen. Die Wirtschaft reagiert besorgt.

Die Ankündigung bereitet besonders der Gastronomie Sorgen: Mitarbeiterin der britischen Fast-Food-Kette Pret a Manger. Foto: Getty Images
Die Ankündigung bereitet besonders der Gastronomie Sorgen: Mitarbeiterin der britischen Fast-Food-Kette Pret a Manger. Foto: Getty Images

Die britische Wirtschaft werde in Zukunft «auf billige Arbeitskräfte aus Europa verzichten müssen» – das ist die Botschaft von Innenministerin Priti Patel, die am Mittwoch in London ein neues Einwanderungsgesetz vorlegte. Nach der Brexit-Übergangsphase, die noch bis Ende 2020 dauert, soll ein Punkte­system in Kraft treten, das vor ­allem Fachkräften Zugang zum britischen Arbeitsmarkt gewährt und Ungelernte, Hilfskräfte und alle, die wenig Englisch sprechen, von der Zuwanderung weitgehend ausschliesst.

Die 3,2 Millionen Bürger der Europäischen Union, die sich bereits im Land befinden, sollen als Arbeitskräfte bleiben dürfen, ausserdem wurde die Quote für Saisonkräfte in der Erntezeit erhöht. Mit dem Gesetz wird es vor allem für Servicekräfte, Bauarbeiter und selbstständige Handwerker aus der EU, die bisher einen Teil der Neuzuwanderer ausmachten, schwerer, sich ein Leben im Königreich auf­zubauen. Fachkräfte müssen künftig ein Jobangebot und ein Gehalt von umgerechnet mindestens 32'000 Franken jährlich vorweisen; in besonders gesuchten Berufen ist das Mindesteinkommen niedriger.

«Ein historischer Moment»

Die Innenministerin sagte, dies sei ein «historischer Moment für unser Land. Wir beenden die Freizügigkeit, bekommen die Kontrolle über unsere Grenzen zurück und geben den Menschen, was sie wollten: ein Einwanderungsrecht, das die Einwanderungszahlen reduziert.» Unternehmen, die sich bisher auf Arbeitskräfte aus dem Ausland verlassen hätten, müssten sich «anpassen und verändern» und in Produktivität, neue Technologien und Automatisierung investieren. Ausserdem, so Patel, müsse ein Teil der etwa acht Millionen Briten, die entweder arbeitslos seien oder keiner Arbeit nachgingen, in den Arbeitsmarkt integriert und geschult werden, um die Jobs derer zu übernehmen, die nun nicht mehr kommen dürfen.

Wir geben den Menschen, was sie wollten, sagt die britische Innenministerin Priti Patel. Foto: Reuters
Wir geben den Menschen, was sie wollten, sagt die britische Innenministerin Priti Patel. Foto: Reuters

Obwohl das Ziel der Reform bekannt gewesen war, reagierten viele Unternehmer und Verbände entsetzt. Der Chef der Föderation für die Rekrutierung von Arbeitskräften, Tom Hadley, sagte, was die Regierung «schlecht ausgebildet» nenne, seien in Wirklichkeit jene Kräfte, welche die Wirtschaft dringend brauche. In Grossbritannien arbeiten in der Gastronomie und in der Landwirtschaft, im Gesundheitswesen und auf dem Bau ­be­sonders viele Ausländer. Die Chefin des Industrie­verbandes, Carolyn Fairbairn, begrüsste, dass die Deckelung der Visazahl für Fachkräfte aufgehoben wird. Aber viele Firmen fragten, wo sie «jetzt noch Leute herbekommen sollen».

Die Regierung entgegnete, die britische Wirtschaft müsse sich von «billigen Arbeitskräften aus Europa» unabhängiger machen und sich stattdessen auf Investitionen in Technologie und Automatisierung konzentrieren. «Die Arbeitgeber müssen sich anpassen.» Nach Schätzung von Regierungsberatern hätten rund 70 Prozent der Bürger aus dem Europäischen Wirtschaftsraum, die seit 2004 nach Grossbritannien kamen, keinen Visums­anspruch gehabt, wenn die jetzt geplanten Gehalts- und Qualifikationsschwellen bereits gegolten hätten.

Wenig Zeit für Ausbildung

Besonders grosse Sorge herrscht im Gastgewerbe. Die Fast-Food-Kette Pret a Manger hatte vor zwei Jahren darauf hingewiesen, dass nur einer von 50 Bewerbern auf eine freie Stelle ein Brite sei. Kritisiert wurde auch, dass das neue System schon in zehn Monaten in Kraft treten soll, sodass wenig Zeit für Ausbildung und Fortbildung von Arbeitnehmern bleibe, die bereits im Land sind. Die Einwanderungsfrage hatte das Brexit-Votum 2016 dominiert. Konservativ geführte ­Regierungen hatten die Senkung der «Nettoeinwanderung» versprochen, diese Zusage aber nie gehalten.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch