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Lokführer bringen Bahnverkehr in Deutschland zum Erliegen

Die Warnstreiks der Lokführer haben am Morgen in Deutschland bundesweit zu erheblichen Einschränkungen geführt. 22'000 Lokführer haben die Arbeit niedergelegt.

Nichts geht mehr: Rund 22'000 streikende Lokführer bringen den deutschen Eisenbahnverkehr zum erliegen.
Nichts geht mehr: Rund 22'000 streikende Lokführer bringen den deutschen Eisenbahnverkehr zum erliegen.
Reuters

Die Warnstreiks der Lokführer haben den Berufsverkehr am Dienstagmorgen deutschlandweit massiv beeinträchtigt. Im Nahverkehr blieben hauptsächlich die S-Bahnen in Berlin, Nürnberg und Stuttgart sowie im Rhein-Main-Gebiet und in Nordrhein-Westfalen stehen, wie die Deutsche Bahn (DB) mitteilte.

Auch im Regional- und Fernverkehr fielen deutschlandweit Züge aus oder kämen verspätet ans Ziel. Die Arbeitsniederlegungen sollten von 6 Uhr bis 8 Uhr andauern. Der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, sagte in Berlin, er gehe davon aus, dass sich der Bahnverkehr danach wieder langsam einpendeln werde, mit Verspätungen müsse aber noch bis Mittag gerechnet werden.

Güterverkehr ist nicht betroffen

Nach Einschätzung Weselskys beteiligen sich die im Nah-, Fern- und Regionalverkehr aufgerufenen 22'000 Lokführer mehrheitlich an den Streiks. Nicht in die Arbeitskämpfe einbezogen wurde der Güterverkehr, da die Verhandlungen mit den sechs Unternehmen laut Weselsky vorankommen.

Die Warnstreiks richten sich gegen die Deutsche Bahn (DB) sowie die sechs grössten deutschen privaten Verkehrsunternehmen Abellio, Arriva, Benex, Keolis, Veolia und Hessische Landesbahn. Deren Sprecher konnte auf dapd-Anfrage noch keine Angaben über Zugausfälle und -verspätungen machen.

Geduld der Lokführer «überstrapaziert»

Pendler im Berufsverkehr bat Weselsky um Verständnis für die Streiks: Die Gehälter der bei den sechs grössten Privatbahnen beschäftigten Lokführer lägen im Schnitt 30 Prozent unter dem Vergütungsniveau bei der Deutschen Bahn (DB). Aber auch dieses sei zu gering: In einem Flächentarifvertrag soll daher ein für alle Lokführer geltendes, einheitliches Entgelt festgeschrieben werden, dass bei 105 Prozent des DB-Niveaus liegt. Für einen Berufsanfänger wären das Weselsky zufolge 2295 Euro plus fünf Prozent.

Eine andere Lösung als die des Arbeitskampfes sieht der GDL-Chef in den festgefahrenen Verhandlungen mit DB und Privatbahnen nicht: «Wenn Sie ein halbes Jahr verhandeln, dann aber mit dem Stuhl vor der Tür sitzen bleiben, gibt es nichts anderes als den Arbeitskampf», sagte Weselsky im ZDF-«Morgenmagazin». Zwar legten die Arbeitgeber immer wieder neue Angebote vor: Deren Inhalt sei aber «alter Wein in neuen Schläuchen», die Geduld der Gewerkschaft sei überstrapaziert.

Einheitliches Lohnniveau für alle

Die GDL fordert für alle 26'000 Lokführer im Nah-, Fern- und Güterverkehr in Deutschland ein einheitliches Lohnniveau und Beschäftigungsbedingungen, die dem DB-Standard entsprechen. Das Ergebnis will sie in einem sogenannten Bundesrahmen-Lokomotivführertarifvertrag festschreiben.

Einen Anschluss an den kürzlich zwischen DB, den sechs Privatbahnen und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG unterzeichneten Branchentarifvertrag lehnt die GDL ab. Das darin vereinbarte Lohnniveau liege um 6,25 Prozent unter DB-Standard, ausserdem seien die Arbeitszeitregelungen schlechter.

dapd/pbe

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