Zum Hauptinhalt springen

Lange hat er geschwiegen

Die Schuldenkrise in den Euro-Ländern zehrt an den Nerven. Auch an denjenigen der Mächtigen. Frankreichs Präsident mag den Mund nicht mehr länger halten.

«Wenn man auf mich gehört hätte, hätten wir von Anfang an reagiert und jegliche Spekulation abgewendet»: Nicolas Sarkozy.
«Wenn man auf mich gehört hätte, hätten wir von Anfang an reagiert und jegliche Spekulation abgewendet»: Nicolas Sarkozy.
Keystone

Das sind neue Töne aus Paris. Wegen der verzögerten Entscheidung Berlins für die Griechen-Hilfe fährt Frankreichs Präsident der Kanzlerin an den Karren. Die Hilfe für das Land werde für die Euroländer heute «wegen Merkels später Reaktion teurer», sagte Sarkozy laut der am Mittwoch erscheinenden Wochenzeitung «Canard Enchaîné» vor Abgeordneten während seiner Chinareise Ende vergangener Woche. Die Spekulation auf eine Pleite Athens hätte demnach verhindert werden können, wenn die Europäer schneller ein Hilfspaket geschnürt hätten.

Mit der zu späten Reaktion seien Zweifel an der Entschlossenheit der Euroländer gesät worden, dass sie Griechenland zu Hilfe kommen würden, sagte Sarkozy der Zeitung zufolge. «Wenn man auf mich gehört hätte, hätten wir von Anfang an reagiert und jegliche Spekulation abgewendet.» Aber Merkel habe «gezögert».

Der diplomatische Weg

Die beiden Staaten pflegen traditionell gute Beziehungen. Die Führungsrolle innerhalb der EU gibt ab und an zu Spekulationen Anlass. Offizielle Linie in Frankreich ist es denn auch, Merkel nicht direkt wegen der späten Hilfszusage für Athen zu kritisieren. Sarkozy wolle «der Kanzlerin keine Lehren erteilen», sagte Europastaatssekretär Pierre Lellouche der gleichfalls am Mittwoch erscheinenden Wochenzeitung «L'Express». Er warb darin um Verständnis für die deutsche Haltung.

Schliesslich habe Deutschland in den vergangenen zehn Jahren viel getan, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, während andere europäische Länder ihre Wirtschaft nicht reformiert hätten, sagte er. Viele Deutsche könnten zudem nicht verstehen, warum sie den Griechen einen frühen Ruhestand finanzieren sollten, während sie selbst vielfach erst mit 67 in die Rente gehen dürften.

AFP/cpm

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch