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Kurt Beck spricht von Intrige und Demontage

Parteifeinde hätten absichtlich in den Medien Steinmeiers Kanzlerkandidatur ausgeplaudert, sagt der zornige Ex-SPD-Chef. Ihm sei nur der Rücktritt geblieben.

Abgang durch die Hintertür: Kurt Beck (rechts) schleicht sich mit zwei Anhängern vom Parteitag in Berlin davon.
Abgang durch die Hintertür: Kurt Beck (rechts) schleicht sich mit zwei Anhängern vom Parteitag in Berlin davon.
Keystone

Überraschend und wütend trat Kurt Beck heute in Berlin als SPD-Chef ab. In der Nacht zuvor war in den Medien bekannt geworden, dass Frank-Walter Steinmeier für die SPD als Kanzler kandidieren wird. Franz Müntefering sprang heute in die Bresche, als Beck seinen Rücktritt gab.

Jetzt diskutiert man in Deutschland darüber, wer wie die Fäden zog in diesem Politcoup. Über die undurchsichtigen Ränkespiele dürfte in den kommenden Tagen noch manches publik werden.

Revolution oder Rechtsputsch?

War es ein sorgfältig eingefädelter «Rechtsputsch», wie Parteilinke bereits wissen wollen? Eine «Revolution von oben», wie andere das sehen? Oder einfach eine selbstlose Tat von Kurt Beck, um die Partei vor dem endgültigen Absturz zu retten, wie die siegreiche Seite in dem gewagten Stück wohl argumentiert?

Dass ein Parteichef in der Versenkung verschwindet, daran haben sich die Sozialdemokraten angesichts des immensen Verschleisses an Führungspersonal allmählich gewöhnt. Neu ist, dass ein vor nicht allzu langer Zeit abgetretener Vorsitzender - Franz Müntefering - wieder aufs Schild gehoben wird.

Abgang durch die Hintertür

Ganze zehn Minuten brauchte der nach Teilnehmerangaben sichtlich fertige Kurt Beck, um der illustren SPD-Runde in Berlin seine Motive für den abrupten Rückzug zu erklären, bevor er durch den Hintereingang verschwand.

Schon zu Beginn der Veranstaltung hatte sich Ungewöhnliches abgezeichnet. Beck und Steinmeier waren erst gar nicht gekommen. Fraktionschef Peter Struck, der per Motorrad angereist war, eilte aus dem Sitzungssaal, ebenso wie Parteivize Andrea Nahles.

Geheimtreffen vor der Tagung

Beide steuerten ein abgelegenes Anwesen nahe des Hotels an, wo sich bereits die anderen aus der engsten Spitze im Garten eingefunden hatten. Dort offenbarte Beck erstmals, dass er den Vorsitz hinwirft. Vergeblich soll er dort noch einmal versucht haben, Münteferings Rückkehr zu verhindern.

In einer persönlich Erklärung am späten Nachmittag liess der unterlegene Beck Rücksichtnahmen fallen. Gegen ihn seien Intrigen gesponnen worden, lautete die eindeutige Botschaft.

Steinmeiers Leute am Werk?

Die Verabredung, gemeinsam mit Steinmeier für einen Erfolg bei der Bundestagswahl durchzustarten, sei in der Nacht zum Sonntag «durch gezielte Falschinformationen» in Medien durchkreuzt worden, zog Beck vom Leder. Man habe es damit direkt darauf angelegt, ihm seinen Entscheidungsspielraum zu nehmen. Sein Parteiamt könne er nicht mehr mit der notwendigen Autorität ausüben.

en er als Urheber dieser dunklen Machenschaften sieht, dazu schwieg Beck sich aus. Doch dass er hinter den Indiskretionen, wonach der Vizekanzler bereits als Spitzenmann feststand, Steinmeiers Hilfstruppen vermutet, lag in der Luft.

Der neue starke Mann in der SPD gab sich seinerseits «schockiert» über den Rückzug des Parteichefs. Einige Worte des Respekts folgten, bevor Steinmeier bereits schnell den Blick nach vorn richtete. Nur noch 385 Tage seien es bis zu Bundestagswahl. Gemeinsam mit Müntefering muss er nun zur Aufholjagd ansetzen.

SDA/oku

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