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«Kosovo-Bumerang trifft den Westen»

In Serbien macht sich Genugtuung breit. Nach der Duldung der Abspaltung des Kosovo, müsse sich der Westen nicht wundern, wenn andere Minderheiten dasselbe anstrebten.

«Der Kosovo-Bumerang trifft den Westen» jetzt in Georgien, prangte heute auf dem Titelblatt der grössten serbischen Zeitung «Novosti». «Das haben wir schon immer vorausgesagt», «Das geschieht den USA und der EU recht», so auch «Volkes Stimme» in Leserbriefen.

Kosovo als Vorbild für andere Minderheiten

Die These: Der Westen hat die Abspaltung der früheren südserbischen Provinz Kosovo im letzten Februar «als Vorbild» erlaubt und darf sich jetzt nicht wundern, dass andere Minderheiten dieses Recht auch für sich in Anspruch nehmen.

Folgerichtig haben die ultranationalistischen Radikalen (SRS) schon am ersten Kriegstag ein Unterstützungstelegramm an die russische Führung geschickt. Auch die DSS des früheren serbischen Regierungschefs Vojislav Kostunica schlug in die gleiche Kerbe.

Zweierlei Mass

Die serbischen Medien kritisieren vor allem den Westen, der «zweierlei Mass» zugrunde lege. In Georgien verteidigten die USA und die EU die «territoriale Integrität» des Landes gegen die Abspaltung Südossetiens und Abchasiens, im Fall Kosovo hätten sie jedoch seine Trennung von Serbien nach dem Prinzip des «Selbstbestimmungsrechts der Albaner» erzwungen.

Die Medien zitierten am Sonntag genüsslich den französischen Aussenminister Bernard Kouchner, der mit Blick auf der Kosovo gesagt habe: «Wenn zwei Seiten sich nur noch mit Waffen unterhalten können, dann ist es besser, sie zu trennen». «Sechs Monate später will die französische EU-Präsidentschaft die territoriale Unversehrtheit Georgiens garantieren».

«Welche Arroganz des Westens!»

Der «Sündenfall» Kosovo sei eben nicht wie vom Westen behauptet ein Ausnahme- und Sonderfall ohne Auswirkungen auf andere Streitherde gewesen. «Was für eine erstaunliche Logik!», heisst es am Sonntag in Leserbriefen. «Welche Arroganz des Westens!», der «scheinheilig» und «lächerlich» auftrete.

«Ich verstehe nicht, warum der Westen gegen Russland keine Sanktionen einführt und keine Flugzeuge schickt, die Moskau und andere Städte zerstören», gibt sich der Kommentator der Zeitung «Press» am Sonntag ironisch ratlos. Er spielte damit auf die Bombardierung Serbiens durch die NATO nach dem Einmarsch seiner Armee in der Kosovo im Frühjahr 1999 an.

Bald Elsass und Tirol?

Nach dem Beispiel Kosovo sei klar: «Was heute in Südossetien passiert, kann man morgen in Berg-Karabach, in Tibet und in Dutzenden anderen Krisenregion der Welt erwarten. Das Ende erwarten wir dann im Baskenland, Elsass, Wallonien und vielleicht in Tirol.»

Wie Serbien vertritt auch Russland als mächtiger Verbündeter in Sachen Kosovo eine deckungsgleiche Position. Der «Präzedenzfall Kosovo» werde nicht folgenlos für die Gebietsstreitigkeiten in der früheren Sowjetunion bleiben, hatte die russische Führung immer wieder gewarnt. Sowohl Südosseten als auch Abchasen hatten für sich das Recht der Kosovo-Albaner eingefordert.

Noch in seinen letzten Amtswochen hatte der russische Präsident Wladimir Putin angeordnet, die Beziehungen zu Abchasien und Südossetien demonstrativ auszubauen. «Aus meiner Sicht ist das eine direkte Folge der Kosovo-Entwicklung», hatte der Vize-Parlamentschef Oleg Morosow erklärt.

SDA/cpm

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