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«Können Serben und Albaner je Freunde werden?»

Vor 20 Jahren endete der Krieg in Kosovo. Bis heute leben viele junge Erwachsene mit erschütternden Erinnerungen. Fünf von ihnen erzählen über ihre Traumata und Wünsche.

«Ich erinnere mich gut an den Tag, an dem meine Grossmutter plötzlich zu weinen begann. Ich war neun, als der Krieg kam. Ich spürte, wie viel Angst die Erwachsenen hatten. Wir flohen in das Geburtsdorf meines Grossvaters. Ich bin froh, dass ich mich ansonsten an vieles nicht erinnern kann. Ich war zu klein. Eine Nacht jedoch ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben. Wie in vielen Nächten gab es keinen Strom, nur Kerzenlicht. Das Haus, in dem wir Unterschlupf gefunden hatten, war voller Geflüchteter. Plötzlich verliessen alle Männer und Jungen das Haus. Sie flohen in den Wald. Das Gerücht ging um, dass serbische Sicherheitskräfte im Schutz der Dunkelheit das Dorf und die Häuser umstellen würden. Auch wir mussten von einem Haus ins andere. Überall Frauen und Kinder. Einige beteten, andere weinten. Angst vor dem Tod hatte ich nicht. «Wir sind nicht allein», habe ich immer wieder im Stillen zu mir gesagt. Als der Krieg vorbei war, versuchte ich, alles zu vergessen. Wir Kinder wollten ihn einfach hinter uns lassen und weiterleben. Serben lebten fortan praktisch keine mehr in meiner Stadt. Sie wurden vertrieben oder verliessen die Stadt, aus Angst vor Rache. Serbische Filme und Cartoons wurden aus dem Fernsehen verbannt. Ich habe den Hass gespürt, der Serben gegenüber in der Luft lag. Bis heute spüre ich ihn, auch bei Leuten, die den Krieg gar nicht erlebt haben. Damit habe ich Mühe, auch wenn ich verstehe, dass viele ihre Verluste und Verletzungen noch nicht verarbeitet haben – in Gjakova gab es viele Tote. Bis heute werden Leute vermisst.

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