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Keine Spur von Wiktor Janukowitsch

Auch Tage nach seinem Sturz gibt es vom ukrainischen Machthaber kein Lebenszeichen. Die Ukrainer rätseln nun, wo sich der per Haftbefehl gesuchte Politiker aufhält.

Aufenthaltsort unbekannt: Ex-Präsident Wiktor Janukowitsch vor seinem Verschwinden. (21. Februar 2014)
Aufenthaltsort unbekannt: Ex-Präsident Wiktor Janukowitsch vor seinem Verschwinden. (21. Februar 2014)
Reuters

Eine dünne Rauchsäule steigt aus dem Schornstein der Villa des gestürzten ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch in Donezk. Doch auf ein Klingeln kommt keine Antwort, einzig das Gebell eines Hundes durchbricht die Stille um die Wohnanlage am Ostrand der Industriestadt, in der Janukowitsch 1950 geboren wurde. Auch fünf Tage nach seinem Sturz fehlt von dem einstigen Machthaber jede Spur. Den Ukrainern bleibt nur zu rätseln, wo sich der wegen des brutalen Polizeieinsatzes per Haftbefehl gesuchte Politiker aufhält.

«Ich bin sicher, wir werden ihn nicht finden», sagt der örtliche Feuerwehrmann Witali. «Wenn ich was wüsste, würde ich es sagen und einige riesige Belohnung kriegen.» Auch in seiner einstigen Hochburg hat sich vielfach die Stimmung gegen den Präsidenten gewandt, der erst die Polizei auf die Demonstranten schiessen liess, dann aber aus der Hauptstadt floh. «Seine Flucht aus Kiew war ein Akt des Verrats. Er hat sein Volk im Stich gelassen», sagt der Student Dmitri und bringt damit eine weit verbreitete Meinung zum Ausdruck.

Janukowitsch soll vor Gericht

Nach seiner Flucht am Samstag war Janukowitsch noch einmal im Fernsehen aufgetreten und hatte seine Absetzung durch das Parlament als «illegalen Putsch» faschistischer Oppositioneller bezeichnet. Dann hatte er versucht, mit einem Privatjet von Donezk nach Russland zu entkommen, doch wurde er dabei von Grenzbeamten aufgehalten, wie der neu eingesetzte Innenminister Arsen Awako mitteilte. Daraufhin brauste Janukowitsch mit einigen bewaffneten Wachen in Richtung Krim davon und wurde nicht mehr gesehen.

Die Übergangsregierung will den einstigen Präsidenten nun wegen der Polizeigewalt vor Gericht bringen. Gestern forderte das Parlament den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag auf, Janukowitsch und anderen Verantwortlichen den Prozess zu machen. Die Vorwürfe gegen ihn erhielten neue Nahrung, als der Abgeordnete Gennadi Moskal ihm von den Sicherheitsdiensten zugespielte Pläne für eine «Anti-Terror-Operation» gegen die Regierungsgegner veröffentlichte. Diese sahen den Einsatz tausender Polizisten und Scharfschützen in Kiew vor, um die Protestbewegung niederzuschlagen.

«Ich denke, er ist in Donezk»

«Diese Dokumente zeigen die kriminellen Aktivitäten der Verantwortlichen der Ordnungskräfte», erklärt Moskal auf seiner Internetseite. Er leitet eine Untersuchungskommission zu den blutigen Strassenschlachten, bei denen vergangene Woche rund um den Maidan 82 Menschen getötet worden waren. Unter den Opfern der auch von den Demonstranten mit grosser Härte geführten Kämpfe waren auch mehr als ein Dutzend Polizisten. Die meisten Toten wurden aber durch die Polizei getötet, etliche offenbar gezielt durch Scharfschützen.

Ihr Einsatz war Teil der Operation «Welle», die in die Tat umgesetzt wurde, als die Lage am Dienstag eskalierte. In ihrem Zuge wurden die Zugangsstrassen nach Kiew gesperrt, die U-Bahn geschlossen und mehrere Oppositionssender abgeschaltet. Ein Ziel des Plans war es, die rechtsradikale paramilitärische Gruppe Pravy Sector, der die Planung von Anschlägen vorgeworfen wurde, zu «neutralisieren». Vor allem aber sollte mit dem Einsatz der Maidan geräumt werden, das Zentrum der wochenlangen Proteste.

Letztlich wandte sich der Einsatz aber gegen Janukowitsch, dem am Ende nur die Flucht blieb. Nun vermuten ihn einige in der Hafenstadt Sewastopol, wo die russische Schwarzmeerflotte stationiert ist. Andere glauben, dass er immer noch im Osten der Ukraine ist. «Ich denke, er ist in Donezk und versteckt sich», sagt der Student Mark, als er im Zentrum der Millionenstadt mit einigen dutzend Janukowitsch-Getreuen gegen den Umsturz demonstriert. Doch wo auch immer er ist - die Ruhe und den Luxus seiner Villa wird Janukowitsch nicht mehr geniessen können.

AFP/ajk

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