«Penelope-Gate» schädigt Fillons Image vor der Wahl

Der französische Präsidentschaftskandidat François Fillon und seine Ehefrau geraten unter Druck wegen Verdachts auf Veruntreuung.

Vorwurf der Scheinbeschäftigung: François Fillon mit Ehefrau Penelope während eines Rennens in Paris. (25. November 2016)

Vorwurf der Scheinbeschäftigung: François Fillon mit Ehefrau Penelope während eines Rennens in Paris. (25. November 2016)

(Bild: Keystone Francois Mori)

François Fillon steht plötzlich mit dem Rücken zur Wand. Jahrelang hat der Favorit der anstehenden Präsidentschaftswahl in Frankreich seine Ehefrau Penelope auf Staatskosten als parlamentarische Mitarbeiterin beschäftigt. 500'000 Euro soll die diskrete Politikergattin so eingestrichen haben, ohne wirklich zu arbeiten, berichtet die Wochenzeitung «Le Canard Enchaîné». Illegale Scheinbeschäftigung oder doch alles regelkonform? Drei Monate vor der Präsidentschaftswahl ist dieses «Penelope-Gate» für Fillon eine Katastrophe.

Die Vorwürfe gegen den 62-Jährigen und seine Ehefrau sind am Mittwoch das beherrschende Thema in Frankreich. Die nationale Finanzstaatsanwaltschaft leitet Vorermittlungen wegen des Verdachts der Veruntreuung öffentlicher Mittel ein. Und der politische Gegner lässt sich die Gelegenheit nicht entgehen, den selbsterklärten Saubermann Fillon in die Mangel zu nehmen.

«Er muss sich erklären», fordert der sozialistische Präsidentschaftsanwärter Manuel Valls. «Man kann sich nicht als Kandidat der Ehrlichkeit und Transparenz darstellen und dann nicht in der Lage sein zu antworten.» Entsprechend pampig reagiert der Mann, der sich bisherigen Umfragen zufolge mit Front-National-Chefin Marine Le Pen ein Duell um den Elysée-Palast liefern dürfte. «Ich sehe, dass die Zeit der Stinkbomben gekommen ist», sagt Fillon - dass also die Schlammschlacht im Wahlkampf losgeht. Den Journalisten von «Le Canard Enchaîné» wirft Fillon gar «Frauenfeindlichkeit» vor: «Nur weil sie meine Ehefrau ist, soll sie nicht arbeiten dürfen?»

Geld ohne zu arbeiten

Dabei geht die offensive Verteidigungsstrategie des früheren Abgeordneten und Premierministers an den Vorwürfen vorbei. «Le Canard Enchaîné» wirft Madame Fillon nicht vor, gearbeitet zu haben – sondern nicht gearbeitet und trotzdem Geld aus der Parlamentskasse bekommen zu haben.

Demnach wurde sie ab Ende der 1990-er Jahre zunächst von ihrem Ehemann und dann von dessen Nachfolger in der Nationalversammlung als Mitarbeiterin bezahlt und erhielt bis zu 7900 Euro monatlich. Nun dürfen französische Parlamentarier Ehepartner oder andere Verwandte als Assistenten beschäftigen und aus einer Mitarbeiterpauschale bezahlen. Diese fragwürdige Praxis ist in Frankreich weit verbreitet. Doch die Familienmitglieder müssen für das Geld auch wirklich arbeiten.

Bei Penelope Fillon sei das nicht der Fall gewesen, schreibt «Le Canard Enchaîné»: «In den Gängen des Palais Bourbon (der Nationalversammlung) wie auch im Wahlkreis ihres Mannes ist niemand jemals einer parlamentarischen Assistentin namens Penelope Fillon begegnet», schreibt das gefürchtete Blatt, das mit seinen Enthüllungen schon so manchen Politiker zu Fall gebracht hat.

Sprecher bestätigt Anstellung

Das Fillon-Lager weist das zurück. Die Politikergattin habe durchaus als Assistentin gearbeitet: «Im Schatten, denn es ist nicht ihre Art, nach vorne zu drängeln.» Auch Parteifreunde beteuern, sie immer wieder in der Nationalversammlung gesehen zu haben.

Sprecher Fillons hatten die Anstellung bestätigt. Sie äusserten sich aber nicht zum Gehalt und betonten, eine solche Beschäftigung sei völlig legal. Viele Abgeordnete beschäftigten ihre Ehepartner, betonte ein Sprecher gegenüber dem Sender RFI. Er kritisierte einen Versuch, «jemanden zu beschmieren, der völlig ehrlich ist».

Zurückgezogenes Leben

Allerdings ist die seit 1980 mit dem Katholiken Fillon verheiratete gebürtige Waliserin lange Zeit nicht gerade durch politische oder berufliche Aktivitäten aufgefallen. Die Öffentlichkeit sah sie eher in der klassisch-konservativen Rolle der Hausfrau und Mutter, die die fünf gemeinsamen Kinder grosszog.

Als ihr Mann 2007 Premierminister wurde, sagte sie selbst, sie fühle sich auf dem Landsitz der Familie wohler als auf dem Pariser Parkett. «Ich bin nur eine Bäuerin.» Und als sie im vergangenen Herbst begann, ihren Mann im Vorwahlkampf offen zu unterstützen, sagte sie: «Bislang hatte ich mich nie in das politische Leben meines Mannes eingebracht.»

Die Konservativen dürften jetzt alles tun, um Beweise für eine parlamentarische Tätigkeit von Penelope Fillon aufzutreiben. Doch der Imageschaden für den Präsidentschaftskandidaten ist jetzt schon gewaltig. Beim Front National, der den etablierten Parteien gerne Vetternwirtschaft vorwirft, dürfte sich so mancher die Hände reiben.

kat/sda/afp

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt