Zum Hauptinhalt springen

Junckers Körpereinsatz bei Tsipras

Dick war der Kuss von Jean-Claude Juncker auf Simonetta Sommarugas Wange. Auch beim Besuch des griechischen Premiers gibt der EU-Kommissionspräsident deutliche Signale.

Auf seiner Roadshow durch Europa macht der griechische Premier Alexis Tsipras heute Halt in Brüssel. Besuch bei der EU-Kommission ist angesagt. Empfangen wurde der Politiker von Jean-Claude Juncker. Thema von Gesprächen ist die Forderung der linksgeführten Regierung in Athen, Griechenlands hohe Schuldenlast sowie die Sparauflagen der internationalen Gläubiger zu reduzieren.

Tsipras sagte nach den Gesprächen: «Wir haben noch keine Vereinbarung, aber wir sind auf einem guten Weg, eine gangbare Einigung zu finden». Es gehe darum, die Rahmenbedingungen zu korrigieren, «nicht den Rahmen zu zerschmettern».

Juncker hatte bereits im Vorfeld des Treffens Gesprächsbereitschaft signalisiert. Die EU könnte Griechenland bei der Rückzahlung seiner milliardenschweren Staatsschulden entgegen kommen. Brüssel sei zwar bereit, seine Politik in einigen Punkten anzupassen, aber «nicht alles zu ändern».

Ein Foto zeigt die beiden an einem Pressetermin vor der Unterredung. Dabei nimmt Juncker den griechischen Premier bestimmt an der Hand und führt ihn zum nächsten Termin. Juncker mit vollem Körpereinsatz quasi. Als wolle er ihm zeigen, wo es lang geht. Die bestimmte Geste des EU-Kommissionspräsidenten fällt auch in den Sozialen Medien auf.

Junckers Körpereinsatz war am Montag aufgefallen, als er Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga äusserst herzlich küsste. Das Bild sorgte für Erheiterung und illustrierte sogleich auch das schwierige Verhältnis zwischen der EU und der Schweiz – man mag sich und trotzdem bleibt diese kühle Distanz.

In Brüssel wird Tsipras heute noch diverse Gespräche führen. Auf einen Schuldenschnitt besteht seine Regierung inzwischen zwar nicht mehr. Sie kündigte aber in der vergangenen Woche die Zusammenarbeit mit der internationalen Gläubigertroika auf und hofft auf andere Erleichterungen, um finanziellen Spielraum zu erhalten.

Treffen mit Hollande

Die Troika aus Vertretern der Europäischen Zentralbank (EZB), des Internationalen Währungsfonds und der EU-Kommission überwacht die Umsetzung der Spar- und Reformpolitik, die Griechenland im Gegenzug für die Rettung vor dem Staatsbankrott versprach. Juncker signalisierte bereits, er könne sich vorstellen, die Troika durch ein «besser demokratisch legitimiertes» Gremium zu ersetzen. Konkrete Pläne für eine «neue Struktur» gibt es einem Kommissionssprecher zufolge bisher aber nicht.

Am Mittwochnachmittag trifft er in Paris Frankreichs Staatschef François Hollande. Der griechische Finanzminister Giannis Varoufakis ist derweil bei der EZB in Frankfurt am Main. Am Donnerstag kommt er zu einem Gespräch mit dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble zusammen.

Die Gespräche zielen auf eine Eingung in der Schuldenfrage vor dem EU-Gipfel am Donnerstag kommender Woche. Am Mittwoch davor ist EU-Kreisen zufolge nun ein Treffen der Eurogruppe aus den Finanzministern der 19 Euro-Staaten wahrscheinlich.

AFP/cpm

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch