Italiens Innenminister und die Mafia

Matteo Salvini und «Gomorrha»-Autor Roberto Saviano liefern sich einen wüsten Streit – mit Mafiavorwürfen, Beschimpfungen und einer Klage.

«Ich akzeptiere jede Kritik, aber ich erlaube niemandem zu sagen, dass ich der Mafia helfe»: Matteo Salvini, Lega-Chef und Innenminister Italiens.

«Ich akzeptiere jede Kritik, aber ich erlaube niemandem zu sagen, dass ich der Mafia helfe»: Matteo Salvini, Lega-Chef und Innenminister Italiens.

(Bild: AFP)

Vincenzo Capodici@V_Capodici

Wenn zwei streitbare Menschen aneinandergeraten, kann der Disput rasch eskalieren. Italiens Innenminister Matteo Salvini und der Schriftsteller Roberto Saviano, Autor des Anti-Mafia-Bestsellers «Gomorrha», streiten seit Wochen in zunehmender Schärfe. Jetzt geht der Innenminister juristisch gegen Saviano vor. «Ich habe Klage gegen Saviano eingereicht, wie versprochen», hat Salvini am Donnerstagabend auf Twitter verlauten lassen. «Ich akzeptiere jede Kritik, aber ich erlaube niemandem zu sagen, dass ich der Mafia helfe.» Die Mafia sei «Scheisse», die er mit all seinen Kräften bekämpfe, schreibt Salvini, der auch Chef der rechtspopulistischen Lega ist.

Salvini fühlt sich von Saviano verleumdet. Aber nicht nur wegen des Vorwurfs der Mafia-Nähe, sondern auch, weil der Schriftsteller in einem Facebook-Post Salvini unterstellt hatte, dass sich dieser freue, wenn Flüchtlingskinder im Mittelmeer ertrinken. Nebenbei bezeichnete er den Innenminister als Idioten. «Der Hass, den du gesät hast, wird dich zu Fall bringen», schrieb Saviano an Salvini gerichtet.

Salvini stellt Polizeischutz für Saviano infrage

Begonnen hatte der Streit im vergangenen Monat, nachdem Saviano harsche Kritik an der Ausländer- und Flüchtlingspolitik von Salvini geäussert hatte. Der verärgerte Innenminister reagierte mit der provokativen Ankündigung, den Polizeischutz des von der Mafia bedrohten Schriftstellers überprüfen zu lassen. «Es scheint mir, als würde er viel Zeit im Ausland verbringen», sagte der Lega-Chef über Saviano. Darum solle überprüft werden, «wie das Geld des italienischen Volkes ausgegeben wird». Der 38-jährige Saviano steht seit Erscheinen seines Buches «Gomorrha» über Neapels Mafia im Jahr 2006 unter Polizeischutz, und er lebt an ständig wechselnden Orten.

«Statt gegen die Mafia vorzugehen, droht Innenminister Salvini den Personen, die von ihr erzählen, sie zum Schweigen zu bringen», schrieb Saviano auf Twitter und Facebook. Dabei bezeichnete er Salvini als «Minister der Unterwelt». Der Anti-Mafia-Kämpfer attackiert den Lega-Chef offen wegen der mutmasslichen langjährigen finanziellen Verbindungen seiner Partei zum organisierten Verbrechen, insbesondere der kalabresischen 'Ndrangheta, die auch im Norden Italiens sehr aktiv ist.

«Matteo Salvini ist ein Minister der Unterwelt»: Roberto Saviano, Mafia-Kritiker und Bestseller-Autor. Foto: AFP

Im Weiteren weist Saviano darauf hin, dass der Norditaliener Salvini bei den nationalen Parlamentswahlen im Frühling in Kalabrien für einen Senatssitz kandidiert hatte. «Während einer Wahlveranstaltung in Rosarno befanden sich in der ersten Reihe Leute der Pesce-Familie, eines Familienclans der 'Ndrangheta», sagte Saviano in einem Facebook-Video. «Salvini als Komplize hat kein Wort über die 'Ndrangheta verloren.»

Medienberichten zufolge waren Salvini und sein kalabresischer Lega-Ableger im Wahlkampf von einflussreichen Leuten unterstützt worden, denen Verbindungen zur Mafia nachgesagt werden. Salvini wurde denn auch in den Senat Italiens gewählt. Seit dem 1. Juni ist er aber Minister. Auf die Verbindungen zwischen Lega und 'Ndrangheta angesprochen, sagte Salvini, dass er sich dem Kampf gegen die Mafia widmen wolle.

Salvini macht auf Anti-Mafia-Kämpfer

Seit den Mafiavorwürfen von Saviano gibt sich Salvini als entschlossener Anti-Mafia-Kämpfer, so zum Beispiel vor zehn Tagen bei einem Besuch in Kalabrien. «Den Kampf gegen die Mafia werden wir nicht nur in Kalabrien führen, sondern in ganz Italien», sagte Salvini in Reggio Calabria. «Denn die 'Ndrangheta ist Scheisse, ein Krebsgeschwür, das sich auf ganz Italien ausgedehnt hat.» In Reggio Calabria war gerade ein Gebäude der 'Ndrangheta konfisziert worden, das künftig als Polizeikaserne dienen soll. «Ich bin ein Dickschädel», sagte der Innenminister. «Ich werde nach Kalabrien zurückkommen, bis wir diesen Leuten auch die Unterhosen weggenommen haben.»

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