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Ist Irland doch schon pleite?

Trotz anderslautender Beteuerungen aus Dublin haben die Spekulationen um einen Antrag Irlands auf Finanzhilfe neue Nahrung erhalten. Irland werde bei der EU rund 80 Milliarden Euro Hilfe beantragen, meldet BBC.

«Wir haben keinen Antrag für irgendwelche Hilfen gestellt»: Der irische Premierminister Brian Cowen
«Wir haben keinen Antrag für irgendwelche Hilfen gestellt»: Der irische Premierminister Brian Cowen
Keystone

Das finanziell schwer angeschlagene Irland sei bereits in vorbreitende Verhandlungen mit EU-Diplomaten getreten, berichtete der Sender BBC am Samstagabend unter Berufung auf nicht benannte Kreise. Es sei nicht mehr eine Frage ob, sondern wann Irland Hilfe aus dem EU-Hilfsfonds beantragen werde. Es gehe um eine Summe von rund 60 bis 80 Milliarden Euro, hiess es. Weitere Medien berichteten von einem bevorstehenden Antrag Irlands, nannten aber keine Quellen. Nach Informationen der «Welt am Sonntag» soll schon in der kommenden Woche in Brüssel konkret über ein Hilfspaket für Irland beraten werden.

Vor allem Spanien und Portugal drängen dem Vernehmen nach auf eine Rettungsaktion, wie es sie im Frühjahr für Griechenland gegeben hatte; die Regierungen beider Länder fürchten dem Bericht zufolge, sonst selbst in die Schusslinie zu geraten. Die Zeitung «Irish Times» berichtete, dass irische Beamte in «technische» Diskussionen darüber eingebunden seien, wie genau das Prozedere ablaufen könnte, falls Irland Hilfe aus dem Programm zur Stabilisierung des Euros beantragt.

Dublin dementiert kategorisch

Der irische Premierminister Brian Cowen wies Gerüchte um einen unmittelbar bevorstehenden Hilfsantrag Irlands in Brüssel allerdings klar zurück. Irland sei bis kommenden Juli finanziell gut abgesichert, sagte Cowen bei einer Wahlkampfveranstaltung in der irischen Grafschaft Donegal. «Wir haben keinen Antrag für irgendwelche Hilfen gestellt.»

Irland sei Teil einer grösseren Währungsregion, in der die Probleme des Euro gemeinsam angegangen würden. «Wir kooperieren in den Problemfällen mit unseren Kollegen», sagte Cowen. Die Europäische Kommission gab laut BBC keinen offiziellen Kommentar ab.

Kurz zuvor waren Gerüchte aufgekommen, Irland führe hinter den Kulissen bereits Gespräche mit Brüssel und werde in den kommenden Tagen Hilfe aus dem Euro-Krisenfonds beantragen.

160 Milliarden Euro Gesamtverschuldung

Irland ist durch die Finanzkrise besonders hart getroffen worden. Wegen milliardenschwerer Rettungsmassnahmen für sein marodes Bankensystem musste es sich in eine Rekordverschuldung stürzen. Das Haushaltsdefizit liegt in diesem Jahr bei 32 Prozent. Die Gesamtverschuldung beträgt mit 160 Milliarden Euro rund 100 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Anfang Dezember will die irische Regierung einen Haushaltsentwurf vorstellen, der im kommenden Jahr Einsparungen von bis zu 6 Milliarden Euro vorsieht. In der vergangenen Woche waren die Zinsen für zehnjährige irische Staatsanleihen auf ein Rekordniveau geklettert. Investoren fürchteten, an den Kosten eines möglichen Bankrotts des Landes beteiligt zu werden. Am Freitag stellten die Finanzminister der führenden EU-Länder jedoch klar, dass dies nicht für Anleihen gelte, die vor 2013 platziert wurden.

SDA/pbe

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