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In Albanien steht die Opposition vor einem Wahlsieg

Die sozialistische Opposition liegt nach Auszählung von 80 Prozent der Wahlurnen komfortabel in Führung. Die vereinigten Linksparteien können weiterhin mit mehr als 80 der 140 Sitze im Parlament rechnen.

Guten Mutes: Der voraussichtliche Wahlsieger Edi Rama.
Guten Mutes: Der voraussichtliche Wahlsieger Edi Rama.
AFP

Bei der Parlamentswahl in Albanien zeichnet sich ein Sieg der oppositionellen Sozialisten an. Die Partei von Edi Rama kommt nach Auszählung von knapp einem Viertel der Wahlzettel auf 52 Prozent der Stimmen, wie die Wahlkommission mitteilte. Die Demokratische Partei von Regierungschef Sali Berisha erreichte lediglich 37 Prozent.

Die Sozialisten hatten den seit acht Jahren regierenden Berisha der schweren Korruption und Vetternwirtschaft beschuldigt. In die zahlreichen Affären der letzten Jahre waren einige seiner Minister verwickelt. Das ärmste Land Europas leidet auch mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Ende des Kommunismus immer noch an den Folgen des Zusammenbruchs der Industrie.

Tiefe Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung lag ersten Schätzungen zufolge bei 53 Prozent der 3,3 Millionen Stimmberechtigten. Offizielle Ergebnisse wurden frühestens am Dienstag erwartet. Sowohl Rama als auch Ministerpräsident Berisha hatten sich nach Schliessung der Wahllokale am Sonntagabend zum Sieger der Parlamentswahl erklärt.

Am Wahlabend hatten sowohl das Regierungs- als auch das Oppositionslager den Sieg für sich beansprucht. Auslöser waren zwei gegensätzliche Ergebnisse von Wählerbefragungen nach der Stimmabgabe. Nur gut die Hälfte der 3,3 Millionen Wahlberechtigten gab ihre Stimme ab. Kommentatoren sahen darin ein Zeichen der Resignation, weil dieselben Parteien und Politiker seit zwei Jahrzehnten gegeneinander antreten.Viele Bürger des wirtschaftlich schwer angeschlagenen Landes hätten auf jüngere und gut ausgebildete Kräfte gehofft. Diese würden jedoch von alteingesessenen Politikern blockiert.

Von Gewalt überschattet

Zuvor war die Abstimmung, die von den USA und der EU als Demokratietest für das arme Balkanland bezeichnet worden war, teilweise aus dem Ruder gelaufen. In der Stadt Lac im Norden der Hauptstadt Tirana wurde ein sozialistischer Parteianhänger erschossen. Ein Regierungskandidat und ein zweiter Mann wurden verletzt. In der südalbanischen Hafenstadt Vlora zerstörte eine Explosion das Auto des örtlichen sozialistischen Parteisekretärs.

«Bewaffnete Kriminelle und Banditen» bedrohten im Auftrag der Regierung die Wähler vor einigen Wahllokalen im Norden, behaupteten führende Sozialisten. Die überregionale und örtliche Polizei lasse sie gewähren, ohne einzuschreiten. Aus zahlreichen Landesteilen wurde von Schlägereien vor Wahllokalen berichtet.

Manipulationsvorwürfe

Unabhängige Wahlbeobachter sprachen von erheblichen Unregelmässigkeiten: Wähler hätten ohne Personalausweise abstimmen dürfen. Einige Wahllokale öffneten mit stundenlanger Verspätung. Einzelne Wähler gaben für ganze Familien die Stimmen ab. In einem Fall wurde die Abstimmung unterbrochen, weil es viel mehr Wähler als Stimmzettel gab. In einem anderen Fall konnte die Wahlurne die Wahlzettel nicht fassen.

Rund 3,3 Millionen Wahlberechtigten hatten zu entscheiden, ob der seit 2005 amtierende Regierungschef Sali Berisha ein drittes Mandat bekommt. Herausforderer sind die Vereinigten Linken unter Führung des früheren Hauptstadt-Bürgermeisters Edi Rama. Faire Wahlen sind die Voraussetzung, dass das NATO-Mitglied näher an Brüssel rücken kann.

sda/AFP/mw

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