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Im Zeitalter der Extremisten

Vom vielen Lobgesang offenbar machtbesoffen, hat der deutsche Ableger der Klimabewegung endgültig den letzten Funken Respekt verloren.

MeinungSebastian Briellmann
Der deutsche Ableger der Klimabewegung Fridays for Future postete auf Twitter Sätze, die sowohl zu «Weihnachten als auch zur Klima­krise» passen.
Der deutsche Ableger der Klimabewegung Fridays for Future postete auf Twitter Sätze, die sowohl zu «Weihnachten als auch zur Klima­krise» passen.
Keystone

Es gibt dieses kleine Spielchen im Internet, das sich zu Ende neigende Jahr in fünf Wörtern zusammen­zufassen – und weil sich mittlerweile ja vieles in den sozialen Medien ­abspielt, kommt da einiges an unterschiedlichsten Interpretationen ­zusammen.

In einer Zeit, in der (gerade online) leider gern aufgewiegelt wird, ist es schön zu sehen, dass sich die Mehrheit die Mühe gibt, besinnliche und rücksichtsvolle Töne anzuschlagen; völlig egal, welche Weltanschauung man vertritt. Das gibt einem, kurz vor Weihnachten, ein bisschen Hoffnung, dass das Auseinanderdriften, ja dass der Hass am Ende nicht noch mehr Überhand gewinnt.

Wahrscheinlich ist das aber eher ein subjektiver Eindruck, die gelesenen Beiträge zufällig ausgewählt – hat doch die Zügellosigkeit gewisser Gruppen ein Ausmass angenommen, das nicht nur kaum auszuhalten, sondern vielleicht gar nicht mehr einzudämmen ist. Wir sprechen da aber – und das gebietet grossen ­Anlass zur Sorge – nicht nur von den politischen und religiösen Extremisten, die sind ohnehin nicht mehr zu retten, sondern nur noch bestmöglich zu bekämpfen.

War das Verhalten von Fridays for Future zu Beginn nur eine Hybris der Hysterischen, wird es mittlerweile bösartig, ja lebensverneinend

Wir sprechen auch von Organisationen, die für sich in Anspruch nehmen, das Richtige zu tun – und das natürlich gleich für die ganze Menschheit. Dafür gabs dann auch noch den ­grössten Applaus dieses Jahres. Wir sprechen von der Klimabewegung Fridays for Future.

Vom vielen Lobgesang offenbar machtbesoffen, hat etwa der mächtige deutsche Ableger endgültig den letzten Funken Respekt und die Achtung vor gewissen Menschengruppen verloren. Auf Twitter schreiben diese zu Weltrettern hochge­jazzten ­«Heilsbringer» aktuell zum Beispiel so heilbringende Sätze, die sowohl zu «Weihnachten als auch zur Klima­krise» passen. Da steht dann, und das ist leider kein Witz, solch Unsagbares: «Warum reden uns die Grosseltern immer noch jedes Jahr rein? Die sind doch bald eh nicht mehr dabei.»

Wenn ich daran denke, dass ich in diesem Jahr zum ersten Mal die Festtage im gewohnten Rahmen ohne Grosselternteil verbringen werde, weil drei verstorben sind und eines im Spital liegt, schäme ich mich, dieser Generation anzugehören. Was denken diese menschenverachtenden Idioten eigentlich, wer sie sind? Sollen die Alten doch einfach krepieren. Das ist an Perversion nicht zu überbieten, es ist schlicht unfassbar. Ah, übrigens: Wird so etwas für das Klima getan? Oder nicht eher mit dem vielen Geld, das unsere Grosseltern für uns alle verdient haben?

War das Verhalten zu Beginn nur eine Hybris der Hysterischen, wird es, passend im Zeitalter der Extremisten mittlerweile bösartig, ja lebensverneinend. Und reiht sich nahtlos damit ein in die zuvor (mit Recht) kritisierten Fundamentalisten. Das ist natürlich nicht überraschend, da es exakt ins Herrenmenschen-Schema passt, in dem Extremisten nun mal denken: Wir sind die Auserwählten, ihr die Ungläubigen, die Sünder.

Was bleibt, ist der (naive) Wunsch, dass Vernunft sich wieder gegen Panik(-mache) durchsetzt. Und der (hoffentlich realistischere) Wunsch, dass alle Grosseltern frohe Weihnachten erleben dürfen. Bleiben Sie noch lange bei uns.

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