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«Ich habe Milosevic nicht gewählt, ihr schon»

Der mutmassliche Kriegsverbrecher Ratko Mladic macht für die ihm vorgeworfenen Gräueltaten den früheren Präsidenten Slobodan Milosevic verantwortlich. Zudem erhebt er schwere Vorwürfe gegen das serbische Volk.

Mladics Verhaftung bringt ein Land in Aufruhr: Mladic-Anhänger demonstrieren in Kalinovik gegen dessen Verhaftung.
Mladics Verhaftung bringt ein Land in Aufruhr: Mladic-Anhänger demonstrieren in Kalinovik gegen dessen Verhaftung.
Keystone

«Ich habe Slobodan Milosevic nicht gewählt, ihr schon», sagte Ratko Mladic nach Angaben von Staatsanwalt Bruno Vekaric. Der frühere General habe erklärt, «die Schuld liegt bei Milosevic» und allen Serben, die den damaligen Präsidenten unterstützt hätten, sagte Vekaric am Sonntag der Nachrichtenagentur AP.

Milosevic starb 2006 während seines Prozesses vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Er war wegen Greueltaten in Kroatien und Bosnien sowie wegen Völkermordes und weiterer Verbrechen im Kosovo angeklagt.

Gewalt bei Protesten in Belgrad

Tausende serbische Nationalisten haben am Sonntag in Belgrad gegen die Festnahme des mutmasslichen Kriegsverbrechers und Ex-Generals Ratko Mladic protestiert. Dabei kam es zu schweren Ausschreitungen. Rechtsextremisten lieferten sich im Zentrum der serbischen Hauptstadt Strassenschlachten mit der Polizei.

Angesichts von Gewalt und Chaos brach die extrem nationalistische oppositionelle Radikale Partei (SRS) die Demonstration gegen die drohende Auslieferung Mladics ans UNO-Kriegsverbrechertribunal ab.

«Willkommen in Mladics Stadt»

Mit einigen Tausend Menschen waren deutlich weniger als erwartet zur Unterstützung von Mladic vor dem Parlament im Zentrum Belgrads erschienen. «Wir sind hier, um diesen Verrätern zu zeigen, wie echte Serben einen serbischen Helden verteidigen», sagte ein Teilnehmer.

Auch in Mladics bosnischer Geburtsstadt Kalinovik gingen rund 3000 Menschen auf die Strasse. «Er war und bleibt für uns ein Held, der Beschützer des serbischen Volks», sagte ein junger Mann. Über der wichtigsten Strasse des Orts hing ein Banner mit der Aufschrift «Willkommen in Mladics Stadt».

Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Mladic, dem früheren militärischen Führer der bosnischen Serben im Bürgerkrieg von 1992 bis 1995, werden Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Er soll unter anderem das Massaker von Srebrenica befohlen haben, bei dem 8000 muslimische Jungen und Männer ermordet wurden.

Ausserdem soll er massgeblich für die vierjährige Belagerung von Sarajevo verantwortlich gewesen sein. Nach 16 Jahren auf der Flucht wurde er am Donnerstag festgenommen.

dapd/pbe

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